Hier wird wieder die halbe Welt interviewt. Zum Titelthema "Was fühlen Tiere?" zum Beispiel eine Tierpsychologin mit einer berechtigten Frage auf dem Herzen: "Will der Mensch sich um das Tier kümmern - oder soll es sich um ihn kümmern? Ich war mal bei einer ziemlich wohlhabenden Frau mit drei Katzen. Die servierte denen 'Kitekat' auf drei Kristallschälchen und steckte sich anschließend selbst einen Löffel voll in den Mund. Sie wollte ihren Tieren zeigen, dass sie mit ihnen auf einer Stufe steht." Können Katzen eigentlich lachen?

In einem Interview über Vaterlandsfragen ruft Bundespräsident Johannes Rau die "Gesellschaft der Wortspiele" aus: "Wir sind dabei, in einer Art Collage von Zitaten eine künstliche Welt herzustellen, die mit der wirklichen nichts zu tun hat ... Ich sehe einen Mangel an Bedächtigkeit in unserer Politik, mangelnde Bereitschaft, Texte erst zu lesen oder anzuhören, zu bedenken und dann zu bewerten." Und darauf muss nun wirklich niemand stolz sein.

Das Spiegel-Gespräch mit Kurienkardinal Walter Kasper schließlich ist eigentlich eine Enttäuschung: Kein Kommentar zum Fall Lehmann, nicht mal, wer neuer Papst wird, erfahren wir. Dafür aber enthüllt uns die Frage nach den ökumenischen Bestrebungen der katholischen Kirche und eine Sekunde der Unachtsamkeit beim interviewten Illuminaten den holden Glanz höherer Vertraulichkeit: "Ja Gott, ob es die eine allchristliche Kirche geben wird, das bezweifle ich."

Was noch? Der Schriftsteller Harry Mulisch und "Dolly"-Kloner Ian Wilmut über den Umgang mit Kreativität, Albanerführer Imer Imeri über die Zuspitzung des ethnischen Konflikts in Mazedonien. Und ­ die unheimliche Begegnung mit einem warmduschenden Ravioli-Fresser: Die "Bobos" (bourgeoise Bohemiens) gehn um.

Die Weltwoche, 22. März

Ein "Extra" befasst sich mit Zerstörungen des Weltkulturerbes. Arnold Hottinger schildert die Seelenlage des afghanischen Führers Omar: "Wahrscheinlich war die Reaktion aus dem Westen und auch aus Japan viel schärfer als erwartet. Doch nun kann Mullah Omar nicht mehr zurück. Seine Aktion hat er theologisch begründet; soll er nun beweisen, dass er selbst nicht an seine Theologie glaubt? Er kann nur eines tun: auf seinen Aussagen und Auslegungen bestehen, aber diskret dafür sorgen, dass sie nicht weitere, allzu verderbliche Folgen zeitigen. Das heißt, er muss Zerstörungen in Grenzen halten und Zerstörtes zudem nicht allzu sehr zeigen (keine Fotos!). Er muss unnachgiebig in der Rede bleiben, aber dann doch versuchen, die Sache auf sich ruhen zu lassen, damit sie in Vergessenheit gerät." Im Interview beklagt der ehemalige afghanische "Regierungsbaumeister" Zemarey Hakimi, dass der Westen der Zerstörung der afghanischen Kultur tatenlos zusieht. (Hakimi baut übrigens in der Schweiz ein "Afghanistan-Museum" auf.) Ein dritter Artikel handelt von Vandalismus in der europäischen Geschichte.

Der Aufmacher des Kulturteils macht die pikante Feststellung: "In der Diskussion um das Flick-Museum in Zürich haben alle eine Meinung - nur die Künstler nicht." Das Flick-Museum ist bekanntlich umstritten, weil die Industriellenfamilie sich weigert, Geld in den Zwangsarbeiterfonds einzuzahlen. "Die Künstlerin Pipilotti Rist lässt ausrichten, sie sei mit dem Aufbau einer neuen Ausstellung beschäftigt und lese derzeit keine Zeitung. Peter Fischli und David Weiss vom Schweizer Künstlerpaar Fischli/Weiss wollen sich 'zum jetzigen Zeitpunkt' nicht äußern. Wolfgang Tillmans, aktueller Träger des erlauchten Turner-Preises, lässt sich von seiner Lebenspartnerin vertreten: Kein Kommentar. Nur Roman Signer ist zu einer Aussage zu bewegen. 'Kunst ist käuflich', sagt er im Blick." Künstler sind kritisch. Aber nicht mit ihren Käufern!