Die Geburtstagsüberraschung ist Heinrich von Pierer gelungen: Auf den Tag genau ein Jahr nach dem umjubelten Börsendebut von Infineon ging der Chef von Siemens auf Distanz zu seiner ehemaligen Halbleiter-Tochter. Ohne die Einrechnung von Infineon sei beim Siemens-Ergebnis alles in Butter. Mit anderen Worten: Infineon steckt in Schwierigkeiten. Beim Börsenstart war noch von der zweiten Volksaktie nach der T-Aktie die Rede. Der Kurs schnellte nach oben. Heute liegt er nur noch knapp über dem Ausgabewert.

Der Grund für den jähen Absturz ist vor allem das extrem schwankende Geschäft mit Seicherchips, das bei Infineon 47 Prozent des Umsatzes und 79 Prozent des Gewinns ausmacht. In einem Jahr fiel der Preis für Standardchips von acht auf unter drei US-Dollar pro Stück - und damit unter die Herstellungskosten. "Vom schnellen Ende des Konjunkturzyklus bei den Speicherchips wurden viele Analysten überrascht", sagt Thomas Köbel, Analyst bei der BfG-Bank in Frankfurt.

Eine rasche Erholung auf dem Chipmarkt erwartet Köbel mit Blick auf die US-Konjunktur nicht. Denn Infineon-Speicher finden sich in technischen Produkten wie Anrufbeantwortern oder Computern. Die schwache Konjunktur aber senkt die Nachfrage nach diesen Geräten, die Preise brechen ein. Mit einem Anstieg rechne er frühestens in der zweiten Jahreshälfte, so Köbel. Für Infineon bedeutet das drei schlechte Quartale im laufenden Geschäftsjahr, das bereits am 30. September endet.

Um die Abhängigkeit vom zyklischen Speichergeschäft zu verringern, begann Siemens vor drei Jahren seine Halbleitersparte umzubauen: Die Geschäftsbereiche Mobilfunk und Telekommunikation sowie Chipkarten kamen hinzu. "Eine Strategie, die ihre Zeit braucht", sagt Thorsten Barnstedt, IT-Analyst bei M. M. Warburg in Hamburg.

Bisher ist sie nur zum Teil aufgegangen. Das Wachstum im Mobilfunkbereich blieb in diesem Jahr unter den Erwartungen. In der drahtgebundenen Kommunikation und im Bereich Chipkarten läuft es dagegen gut. Die soliden Umsätze im Bereich Autoelektronik dürften trotz drohender Absatzkrise im Pkw-Bereich weiter steigen, meint Barnstedt. Mit Elektronik vom Navigationssystem bis zum Fensterheber soll die Pkw-Nachfrage auch in den unteren Preisklassen angekurbelt werden. "Insgesamt reichen die Zuwächse jedoch nicht aus, um das schwache Speicherchip-Ergebnis auszugleichen", so Barnstedt.

Mit einer Erholung im Mobilfunkbereich rechnet Barnstedt vorerst nicht. "Die Verzögerungen bei der Einführung von UMTS führen auch dazu, dass die Kunden mit dem Kauf neuer Handys warten" - und so die Chipnachfrage schwach beeinträchtigen.

Gleichwohl sieht er Infineon besser aufgestellt als Wettbewerber aus Fernost, zum Beispiel Toshiba, Samsung oder Matsushita. "Die Anstrengungen der vergangenen beiden Jahre haben Infineon zum Kostenführer gemacht. Wenn die Chippreise wieder anziehen, sollte Infineon eher als die Wettbewerber wieder schwarze Zahlen in diesem Bereich schreiben", sagt Barnstedt.