DIE ZEIT: Wann haben Sie Ihren letzten handgeschriebenen Brief verfasst?

PETER SCHLOBINSKI: Das ist so lange her, dass ich mich nicht mehr dran erinnern kann.

ZEIT: Ist mit dem Ersatz des Briefes durch die E-Mail nicht eine ganze Kommunikationskultur verloren gegangen?

SCHLOBINSKI: Das ist eine oft behauptete, unbewiesene Hypothese, die ich für falsch halte. Bei den Jugendlichen, die ich selber untersucht habe, hat sich gezeigt, dass insbesondere die Mädchen auch sehr viel geschrieben haben - Postkarten und Briefe. Wobei bestimmte Merkmale wie der Smiley dann auch auf Postkarten wieder auftauchen.

ZEIT: Da bleibt nicht die sprachliche Ausdruckskraft auf der Strecke?

SCHLOBINSKI: Private E-Mails haben teilweise den gleichen Duktus, den gleichen Stil wie ein persönlicher Brief. Nur weil man ein formelles Medium hat und einen Computer benutzt, wird die Kommunikation nicht schlechter.

ZEIT: Gilt das auch für die Chats im Internet?