Das Handy piept. Eine Kurzmitteilung ist eingetroffen: "paybox SMS: Mathias Entenmann will 1,00 DEM senden." Das freundliche Angebot soll mich nötigen, an der neuesten "Revolution" im Zahlungswesen teilzunehmen: dem Geldverkehr über Mobiltelefon. Will ich das Geschenk annehmen, muss ich mich im Internet bei www.paybox.de als Teilnehmer registrieren lassen, damit der angewiesene Betrag seinen Weg auf mein Bankkonto findet.

Mehr als 120 000 Personen sind nach Auskunft von Paybox-Chef Mathias Entenmann bis zum Jahreswechsel diesem Ruf gefolgt - oder einfach ihrer Neugier, denn der Gebrauchswert des neuen Zahlungswegs hält sich noch in Grenzen. Die aktuelle Zahl der Teilnehmer und beteiligten Händler will Entenmann nicht preisgeben: "Wir erwarten in der nächsten Zeit starke Konkurrenz, und von der wollen wir uns nicht zu genau in die Karten schauen lassen." Außer im Internet soll das Zahlungsverfahren nach den Vorstellungen des Frankfurter Unternehmens vor allem bei Einzelhändlern eingesetzt werden, die sich keinen Kartenscanner neben die Kasse stellen wollen. Oder im Taxi: Der Kunde gibt dem Fahrer seine Handynummer, der leitet sie mit dem zu zahlenden Preis weiter an die Paybox. Nur Sekunden später klingelt beim Kunden das Handy, und er wird aufgefordert, unter Eingabe einer besonderen Codenummer die Abbuchung zu bestätigen.

Eine Revolution? Geld ist sicher nicht mehr das, was es vor 20, 30 Jahren war. Aber so anders, wie wir zwischenzeitlich einmal dachten, hofften oder fürchteten, ist es denn auch nicht geworden. Nachdem sich bargeldlose Zahlungsverfahren per Girokonto, Scheck- und Kreditkarten eher unspektakulär durchgesetzt hatten, fehlte noch eine verlässliche Zahlungsmethode zwischen einander unbekannten Partnern im Internet, besonders zur Abrechnung kleinerer Geldbeträge. Und vor allem Datenschützer und Netzaktivisten forderten eine Online-Währung, die sich genauso problemlos und anonym handhaben ließe wie Bargeld, ohne gleich verräterische Datenspuren zu hinterlassen.

So entwickelte sich Mitte der neunziger Jahre ein wahrer Online-Payment-Boom, mit kreativen Start-ups, Industrie- und Finanzkonsortien, Regierungsinitiativen und nahezu monatlichen Tagungen und Kongressen. In ganz Europa schossen ebenso wie in den USA die Projekte wie Pilze aus dem Boden.

Komplizierte Zahlungssysteme werden sich nicht durchsetzen

Ganz im Geist der frühen Internet-Utopien waren einige der ersten Initiativen kühne Entwürfe abseits oder sogar in Opposition zu der immer stärker globalisierten, von wenigen großen Spielern beherrschten Finanzwelt. Mit einem virtuellen Bargeld wollte beispielsweise von Amsterdam aus der Amerikaner David Chaum den Handel im Internet beflügeln. Viele seiner Anhänger versprachen sich von dem neuen Zahlungsmittel eine subversive Gegenökonomie jenseits von Beobachtung und Kontrolle. Chaums E-Cash macht Gebrauch von modernsten kryptografischen Verfahren und gehört, technisch betrachtet, zu den interessantesten Projekten im Internet.

Doch sobald die neue Währung aus der Sandkiste in die reale Welt entlassen wurde, war es vorbei mit dem utopischen Eifer. Weder bei den Kunden noch bei den Händlern kam das allzu komplizierte Verfahren an. Da nützte es auch wenig, dass sich ein so mächtiger Partner wie die Deutsche Bank seiner annahm. Heute führt ecash im Programm des Finanzgiganten ein Schattendasein, und auch die Ankündigung des holländischen Zahlungsdienstleisters Bibit, man wolle künftig gemeinsam mit der Deutschen Bank ein breiteres Händlerportfolio mit ecash bedienen, spricht nicht wirklich für eine Renaissance des einstigen Hoffnungsträgers.