Die alte Dame weist mit ihrem Gehstock auf ein unauffälliges Doppelhaus am Hang. "Das muss es si, ein ganz verrücktes Huus", sagt sie mit Schweizer Akzent und schüttelt den Kopf, "da ist alles programmiert." Das hätte sie schon zweimal im Fernsehen gesehen. Ihre Begleiterin ergänzt: "Ja, da ist alles elektrisch. Wenn s' beim Skilaufen sind, dann können s' einen Knopf drücken, und wenn s' dann heimkommen, ist schon gekocht. Aber einen Umtrieb haben s'."

Nähert man sich dem Gebäude, kommt schon der Verdacht auf, dass hier etwas nicht so ist wie sonst. Ein schwarzer koffergroßer "Käfer" mit Solarzellen auf dem Rücken lauert auf dem Rasen und wartet offensichtlich auf die Frühlingssonne. In die Rückwand des Hauses ist eine merkwürdige Box integriert und durch einen Chipkartenleser vor unerwünschten Zugriffen geschützt. Im Garten und rechts oben an der Eingangstür linst je eine Kamera herunter. Big Brother verfolgt einen schon im Umfeld des Hauses auf Schritt und Tritt. Nur gut, dass nach dem Läuten ein Mensch aus Fleisch und Blut die Tür öffnet: Daniel Steiner.

Gemeinsam mit seiner Frau Ursi und den beiden Adoptivkindern Grace (11) und Carlo (4) aus Kenia lebt der Informatiker im Zukunftshaus "Futurelife". Von der Heizung im Keller über den Duschtempel im Zwischengeschoss bis zur Wetterstation auf dem Dach ist in diesem Zukunftshaus alles vom Feinsten. Vor laufenden Web-Kameras sammelt die Familie Erfahrungen im Umgang mit den neuesten High-Tech-Produkten, testet deren Tauglichkeit im Alltag, dokumentiert die Erfahrungen und macht den Herstellerfirmen Vorschläge, wie sie ihre Produkte verbessern könnten. Daneben kümmert sich das Ehepaar um die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts und führt zwei- bis dreimal pro Woche eine Horde Besucher durchs Haus. Und falls die Videoüberwachung doch mal nervt oder die intimen Seiten des Lebens stört, kann die Familie durch eine unterirdische Schleuse ins kamerafreie Nebenhaus entweichen.

Von anderen Zukunfs- oder Internet-Häusern auf der Welt, bei denen wie hier Kaffeemaschine, Herd, Waschmaschine, Licht und vieles mehr übers Internet oder mobile Fernbedienungen gesteuert werden können, unterscheidet sich "Futurelife" vor allem durch eines: Es ist permanent bewohnt. "Die anderen Zukunftshäuser sind eher Museumsobjekte", sagt Daniel Steiner. "In diesem Haus lebt eine Familie."

Ist das Mittagsmenü ausgewählt, bestellt der Computer die Zutaten

Aus über 70 Bewerbern wurde die Internet-Familie ausgewählt. Im vergangenen November bezog sie für zunächst drei Jahre ihr neues Heim, das Otto Beisheim realisiert hat, Gründer des Warenhauskonzerns Metro. Nun hängt das Haus statt an einem gewöhnlichen Swisscom-Anschluss an einem dicken Glasfaserkabel, um einen ausreichend hohen Datenfluss zu gewährleisten. Die Wände sind speziell verschalt, damit die Kabel und Anschlüsse für die Installation der neuesten Technik-Gimmicks leicht verlegt werden können. Ein Server verbindet Internet und Haushaltsgeräte im plug and play-Verfahren: Stecker in die Dose, und schon können Spülmaschine oder Herd mittels einer SimPad genannten Fernbedienung über das drahtlose Funknetz des Hauses bedient werden. Selbstverständlich lassen sich die Geräte auch vom Urlaubshotel aus per Internet oder von der Skipiste aus per Handy steuern und überwachen.

"Schauen Sie, was passiert, wenn ich den Fernseher einschalte", sagt Herr Steiner und drückt einen Knopf auf der Fernbedienung. Im Wohnzimmer knattert und raschelt es plötzlich überall. Die Jalousien fahren herunter, die Vorhänge gehen zu, aus der Decke senkt sich ein Videobeamer herab und projiziert ein etwa 1,5 mal 2 Meter großes Bild an die Zimmerwand. Von der roten Polstergruppe aus können die Steiners hier analog oder digital fernsehen, DVDs anschauen oder im Internet surfen - alles mit Rundum-Sound wie im besten Kino.