Ich will 'n Hund!" So ging das jahrelang, mal bittend, mal bettelnd, mal flehend. Gottlob war der Sohn noch klein, den erwachsenen Argumenten gegen einen Hund (Futterkosten! Wer geht immer Gassi? Na?? Wer??? Und nie mehr Urlaub!) hatte er nichts entgegenzusetzen als immer nur wieder: "Ich will 'n Hund!" Natürlich blieben wir hart. Als Kompensation gab es Zoobesuche.

Jetzt ist er groß. Elf Jahre. In sechs Wochen. Die wunderbare, ruhige und freundliche Latenzphase neigt sich dem Ende zu. Jüngling wird man nämlich heutzutage schon mit elf Jahren. Sechs Wochen vor dem Geburtstag ist plötzlich von Hund keine Rede mehr. "Ich will 'n Handy!" Nicht bittend, bettelnd oder flehend: fordernd! "Die meisten in meiner Klasse haben ein Handy, meine Freunde haben alle ein Handy. Ich will 'n Handy."

Ein Handy für Elfjährige? Kommt gar nicht in die Tüte. Argumentativ bin ich in dieser Frage noch besser abgesichert als in der Hundefrage (kein Mensch braucht wirklich ein Handy, Kinder schon gar nicht, was haben die sich schon mitzuteilen außer Unfug, außerdem sind Handys ungesund, Kinder sollen nicht ständig solche Wertgegenstände mit sich rumtragen, und wenn die Prepaid-Card abtelefoniert ist, wer bezahlt die Aufladung? Na?? Wer??? Am Ende nehmt ihr euch gegenseitig die Markenklamotten ab und überfallt Tankstellen, man kennt das ja). Dummerweise fangen fast Elfjährige plötzlich an zu argumentieren, dass man sich die Augen reibt.

Erstens hätten wir ja auch ein Handy. Zweitens sei es ja auch sooo wichtig, wenn ich Oma von unterwegs anriefe und über das Wetter in Kassel redete. Dass Handys ungesund sind, sei nicht bewiesen, und Kinder verschickten ja meistens SMS, da könnten die Wellen das Gehirn nicht stören. Teure Gegenstände trüge man heute ohnehin mit sich herum, die Fishbone-Jacke sei zum Beispiel doppelt so teuer wie ein Handy, und wenn die Prepaid-Card leer sei, sei sie eben leer. Dann müsse an Süßigkeiten gespart werden, was wir Eltern doch gut finden sollten. Und außerdem sei man heute ohne Handy ein Niemand.

Für Diskussionen mit fast Elfjährigen lohnt es sich, ausgeschlafen zu sein. Und wohl informiert. Die Briten wollen Handys nur noch mit Warnhinweis zulassen: Kids, fasst euch kurz, telefoniert, wenn es wichtig ist, sonst lasst es sein! Die Schädeldecke von Kindern ist dünner und durchlässiger für elektromagnetische Strahlung als bei Erwachsenen. Kopfschmerzen, Erinnerungs- und Schlafstörungen drohen, sagen britische Wissenschaftler. Die Disney Company hat im vergangenen Jahr verboten, Handy-Schutzhüllen mit Mickymäusen zu schmücken. Und namhafte Psychologen warnen vor Schäden im psychologischen Reifungsprozess, weil Handys Heranwachsende daran hindern, sich aus kindlichen Abhängigkeiten zu lösen.

Er wolle ja, kontert der fast Elfjährige, gar kein strahlungsintensives Handy haben. Im Fernsehen habe er einen Handy-Test gesehen: Fast am meisten Energie verstrahle mein Motorola, während sein Wunsch-Nokia Testsieger sei! In derselben Sendung hätte ein Psychologe gesagt, durch ein Handy lernten Kinder, mit dem Taschengeld hauszuhalten. Und in Dänemark hätten Forscher festgestellt, dass Kinder ohne Handy sozial isoliert seien.

Sozial isoliert! Welcher Erwachsene wünscht das seinem Kind? Trotzdem: In der heutigen Zeit ist es wichtig, den Kindern Grenzen zu aufzuzeigen. Profil zu demonstrieren. Kein Weichei zu sein! Egal ob Hund oder Handy, ich sage: nein!