Klaiber: Guten Morgen Frau Durak.

Durak: Der UNO-Sicherheitsrat hat in der Nacht für uns die Angriffe der albanischen Extremisten verurteilt. die Einstellung der Kämpfe gefordert und die KFOR-Truppen aufgefordert, den Waffenschmuggel aus dem Kosovo zu unterbinden und die Waffen im Kosovo zu beschlagnahmen. Ist dies als direkte Kritik an der NATO, an der KFOR zu verstehen?

Klaiber: Das würde ich nicht sagen. Im Gegenteil: es ist eigentlich eine parallele Aufforderung an die NATO, die die NATO schon in den vergangenen Tagen und Wochen ernsthaft diskutiert hat. Wir müssen sehen: das Mandat des Sicherheitsrates betrifft die Sicherheit in Kosovo selbst. Aber natürlich sind wir daran interessiert, dass solche extremen Kräfte nicht über die Grenze nach Mazedonien gelangen. Offenbar haben wir dort unsere Sicherheitsmaßnahmen noch nicht genügend aufgestockt, und um das geht es und ging es auch gestern bei dem Beschluss des NATO-Rats.

Durak: Die Entwicklung in Mazedonien war ja abzusehen und zieht sich über eine geraume Zeit hin. Das ist ja nicht neu. Zum KFOR-Mandat hatte ja wohl auch die Entwaffnung der Albaner im Kosovo gehört. Dies ist also bisher nicht ausreichend geschehen?

Klaiber: Das ist richtig, aber Sie können sich ja vor allem diese terroristischen Elemente vorstellen. Die ziehen sich in die Berge zurück und haben sich vor allem auch in die Sicherheitszone zurückgezogen, wo wir keine militärische Aktivität ausgeübt haben und wo auch die Jugoslawen keine Aktivität ausgeübt haben. Dort haben sie sich eben gesammelt und in der Tat in den letzten zwei, drei Monaten hat sich dieses Problem verschärft, weil die Terroristen von dort dann auch Attacken gegen serbische Städte und Dörfer angefangen haben. Seit der Zeit hat sich das Problem verschärft. Was anfangs nicht klar war, dass sich diese terroristischen Attacken nun auch nach Mazedonien hinein verschoben haben. Mag sein, dass das ein großer Plan der Terroristen gewesen ist. Das war uns bis vor wenigen Wochen nicht so klar, aber jetzt ist es natürlich um so deutlicher geworden und jetzt muss etwas getan werden.

Durak: Ist es möglicherweise schon zu spät?

Klaiber: Nein, das glaube ich nicht. Das glaube ich nicht, Frau Durak. Es ist ja so: Es wird vermutet - ganz sichere Informationen hat man dort ja nie -, dass die Terroristen etwa zwischen 300 und 800 Personen sind, die derzeit etwa in Mazedonien sind. Nun sagt die mazedonische Regierung, weitere Terroristen kämen nun dauernd vom Kosovo in ihr Land hinein und verstärkten diese Terroristenschar. Das ist das, was die NATO jetzt unterbinden muss, wenn dem so ist. Deshalb müßten sogar die KFOR-Truppen weiter verstärkt werden, denn ich muss sagen, wir haben zwar 40.000 Mann im Kosovo, aber die Aufgaben dort sind vielschichtig und schwierig und offenbar reichen diese Truppen nicht ganz aus, um diese absolute Grenzsicherung vorzunehmen, die jetzt notwendig ist.