Koch: Die Union hat dort, wo sie Regierungsverantwortung getragen hat, eindrucksvoll bestätigt, dass die Bürger wollen, dass sie diese Regierungsverantwortung trägt. Das ist ein wichtiges Zeichen in nicht ganz einfacher Zeit. Es ist so gewesen, dass in den letzten Wochen offensichtlich diejenigen, die in der Regierungsverantwortung stehen, bei relativ flachen Themen eher etwas an Zustimmung gewonnen haben und sie auch von kleineren Parteien abgezogen haben. Die CDU ist in einer Situation, in der sie gut in die nächsten Monate, die vor uns liegen, gehen kann, in der keiner zurückschauen muss und ärgerlich sein muss, aber in der man auch sieht: wir haben noch Arbeit, aber wir können sie auch bewältigen.

Wagener: Was sind flache Themen?

Koch: Die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition ist im Augenblick nicht sehr scharf aus der Sicht der Bürger. Es gibt nicht eine Situation, in der man es etwa geschafft hätte, die aus meiner Sicht sehr fatale, gerade für Frauen sehr fatale Rentenreform zu einem zentralen Abstimmungsthema zu machen. Das ist sicherlich gelungen zu verhindern, der Regierung oder uns als Opposition nicht gelungen zu leisten. Das kann in der Mitte einer Legislaturperiode gelegentlich passieren und das nutzt dann Regierenden, dort wo es die Union ist durchaus uns, aber dort wo wir es nicht sind eben auch denjenigen, die unsere Konkurrenz sind.

Wagener: Was ist aus dem CDU-Stammland Rheinland-Pfalz geworden? Das schlechteste Nachkriegsergebnis. Was hat Christoph Böhr denn falsch gemacht?

Koch: Ich glaube nicht, dass Christoph Böhr etwas falsch gemacht hat, sondern ich glaube, dass es genau bei der Erklärung von eben bleibt. Kurt Beck hat dort als Ministerpräsident eine starke Stellung und er hat mit seiner Arbeit diese Stellung ausbauen können. Da es eine Entscheidung war, die sehr stark von dem Klima der jeweiligen Führungspersönlichkeiten geprägt worden ist, hat es ihm dort zum Vorteil gereicht. Die Union ist dort seit einem Jahrzehnt in einer nicht einfachen Situation und das wird eine Herausforderung für uns bleiben. Rheinland-Pfalz ist nach wie vor kein sozialdemokratisches Stammland, aber die Sozialdemokraten haben sich dort ganz häuslich eingerichtet. Da werden wir eine Menge tun müssen, dass wir das irgendwie verändern können.

Wagener: Eine Erkenntnis der Wahlen ist ja die, dass die Kleinen verloren haben. Auch die FDP, ein fast jahrzehntelanger Partner der Union. Ist das ein Trend oder nur ein atypisches Ergebnis?

Koch: Es ist im Augenblick ersichtlich - das haben wir ja bei unserer Kommunalwahl in Hessen vor einer Woche auch gesehen -, dass es einen Zulauf zu den beiden großen Parteien gibt, der stärker ist als das Verbleiben oder das Hinwenden zu den kleineren Parteien. Dort wo die kleinen Parteien eine sichtbare wichtige Funktion haben, haben sie eine zusätzliche Stabilisierungsmöglichkeit. Aber CDU und SPD binden im Augenblick wieder mehr Wähler, als das vor einiger Zeit der Fall war. Darauf werden sich auch diejenigen, die in den anderen Parteien Strategie machen, einrichten müssen.