Die langweiligste Wissenschaftsshow wird jeden Morgen tausendfach in Deutschlands Klassenzimmern aufgeführt: schlecht ausgebildete Moderatoren, unmotiviertes Publikum, dröger Stoff. Das Ganze nennt sich Physikunterricht und bleibt den meisten ihr Leben lang in schlimmer Erinnerung. "Physik? Das hab ich nie kapiert!"

Da wird es viele freuen zu hören, dass die gefürchtete Spezies der Physiklehrer bald ausstirbt. Seit Jahren geht die Zahl der Studienanfänger drastisch zurück. Schrieben sich 1994 an deutschen Universitäten noch nahezu 1500 Lehramtsanwärter für Physik ein, so waren es im vergangenen Jahr weniger als 700. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, gibt es spätestens 2007 keine Erstsemester mehr. Physiklehrer gehören damit dringend auf die Rote Liste der bedrohten Arten.

Und das ist gut so. Denn bekanntlich führt nur akuter Notstand zu ernsthafter bildungspolitischer Bewegung. Dass der Physikunterricht attraktiver werden muss, dass er Pauken durch Experimentierfreude ersetzen und vor allem Lust am eigenen Denken vermitteln sollte, sagen erfahrene Pädagogen schon lange. Die Stichworte - fachübergreifender Unterricht, Praxisbezug, Multimedia - hat diese Woche wieder einmal die Deutsche Physikalische Gesellschaft auf ihrer Frühjahrstagung geliefert. Doch all diese Ansätze sind weitgehend wirkungslos, solange sie der Initiative einzelner Lehrer überlassen bleiben und sich nicht auch in deren Ausbildung niederschlagen. Erst wenn im Lehramtsstudium weniger gebüffelt und mehr die Kunst der Vermittlung gelehrt wird, besteht Hoffnung auf besseren Schulunterricht.

Bildungspolitiker aber wissen: Reform der Lehrerausbildung ist Sisyphusarbeit. Stattdessen fördern sie lieber Ausstellungen und Wissenschaftsshows, das gefällt allen und tut niemandem weh. Doch auch der Besuch im schönsten Science-Center kann nicht jene Begeisterung wiederbeleben, die täglich in der Schule erstickt wird.