DIE ZEIT: Droht in Tetovo ein balkanischer Krieg?

RICHARD HOLBROOKE: Ja. Die Lunte ist ein alter Traum namens "Groß-Albanien". Überall in der Region leben Albaner: im Kosovo, in Mazedonien, Serbien und Montenegro. Der Versuch, ihn zu verwirklichen, könnte zur regionalen Explosion führen.

ZEIT: Warum?

HOLBROOKE: Es würden ähnliche Ambitionen anderswo in Zentral- und Osteuropa geschürt, wo die Bevölkerungen ebenso durchmischt sind, etwa in Ungarn oder Rumänien. Die bosnischen Kroaten könnten das Dayton-Abkommen noch heftiger unterminieren, also aus der Föderation ausscheren.

ZEIT: Was soll der Westen tun?

HOLBROOKE: Zunächst, was er nicht tun sollte: das Problem so ignorieren wie das bosnische 1991. Das ist nicht nur eine Herausforderung für Europa, sondern für die ganze Nato, die USA, die ein klares Interesse am Frieden haben. Sonst hätten sie nicht die Führung beim Bombardement und bei der Verlegung von Bodentruppen nach Bosnien und in den Kosovo übernommen. Die richtige Strategie ist die engste Zusammenarbeit mit unseren europäischen Verbündeten in der Nato. Ich betone Nato, weil die reine Konsultation mit Europa 1991/92 genauso gescheitert ist wie der Verlass auf die Uno 1992-95.

ZEIT: Also nicht ignorieren. Aber was tun?