Timm Thaler verkaufte sein Lachen an den Teufel. Dafür gewann der Junge aus James Krüss' Jugendbuch jede Wette. Auch Faust glaubte mithilfe Mephistos seine Erfüllung zu finden. Irrtum. Der in Brüssel lebende Autor Thierry Robbrecht erzählt von einem Mädchen, das sein Lachen ohne Argwohn einem Jungen schenkt, der mit dieser Kostbarkeit nichts anzufangen weiß. Nun lacht das Mädchen mit den roten Pippi-Langstrumpf-Zöpfen nicht mehr. Das gewohnte Strahlen ist verschwunden und mit ihm die Unbekümmertheit. "Mögen sie nun mich oder mein albernes Lachen?", fragt sich die Kleine deprimiert.

Illustrator Philippe Goossens malt in dem Bilderbuch Lach doch mal ein vitales Kind, unter dessen Stupsnase der rote Mund verloren gegangen ist. Es hat seine rötlichen Augenbrauen kummervoll zur Seite gezogen, die rot-grün karierte Hose schlabbert um die dürren Beinchen. Philippe Goossens stellt das runde Gesicht ins Zentrum der flächig wirkenden Bilder, die sich jeglicher Dreidimensionalität verweigern; seine Illustrationen vermitteln eine lichtdurchflutete Ursprünglichkeit, in der nur Graffiti Spuren der Moderne hinterlassen haben. Goossens zeigt die kleine Ich-Erzählerin vor pastellfarbenem Hintergrund, überall sind zarte Risse im brüchig wirkenden Farbauftrag zu erkennen - es ist eine alte Geschichte, die hier liebevoll erzählt wird: die Story vom Erwachsenwerden.

"Ohne dein Lachen ist das Leben nur halb so schön", sagt die Mutter, die sich eine fröhliche Tochter wünscht. "Bist du böse?", fragen die Freunde, und der Vater spielt den Clown, um das Mädchen aufzumuntern. Aber erst als die furchterregende Tante Knurrhahn ihr Vorwürfe macht ("Man lacht ja auch nicht jeden an!"), beschließt die Kleine, sich ihr Lachen zurückzuholen. Und zwar von dem Jungen, dem sie es geschenkt hat. Der stolpert vor Schreck über seine Schultasche, und das sieht so komisch aus, dass das Lachen wie von selbst zurückkehrt - im großen Bogen von einem Ohr zum anderen.

Das Mädchen ohne Namen versteckt seine Gefühle nicht. Es sehnt sich nach Zärtlichkeit und ist traurig, dass ein Junge, den es mag, nichts von ihm wissen will. Zum Erwachsenwerden gehören Enttäuschung und Schmerz - ohne Desillusionierung kein Wachstum. Das nächste Mal wird das Mädchen genauer hinschauen, wem es sein Herz schenkt. Lach doch mal ist eines der Bilderbücher, das mit wenigen Worten seine Botschaft transportiert: Offenherzigkeit ist etwas Schönes - auch wenn sie manchmal ein bisschen wehtut. Im Zusammenspiel von Text und Illustration ist dieses Buch ein lächelndes Gesamtkunstwerk.

Thierry Robbrecht/ Philippe Goossens (Ill.):Lach doch mal! Altberliner Verlag, München/Berlin 2001, 24 S., 24,80 DM (ab 4 Jahren)