Am Anfang ist eine Leiche. Im Kinderbuch, in der Tat. Und noch dazu in einer Bar! Zum Glück ist gleich ein Detektiv zur Stelle. Man nennt ihn Wanze, und er verkehrt fast jeden Abend in Dixies Bar. Scharfsinnig wie Hercule Poirot und ein Einzelgänger wie Philip Marlowe; von Letzterem hat er den desillusionierten Realismus übernommen. "Die einzigen Dinge, die meinen Spürsinn weckten, waren: Nummer eins, was gibt's zum Abendessen? und Nummer zwei, wie schaffe ich es, einen weiteren Tag in meinem bevorzugten Zustand (das heißt, unverdaut) zu überleben?"

Der Tatort ist ein Garten und der Detektiv ein Käfer. Mehr als der Auftrag von Nacktschneck Dixie treibt ihn die Liebe, den Fall aufzuklären: Die Reporterin und Grashüpferin Wilma verschwindet spurlos bei der Recherche der Hintergründe des mysteriösen Todesfalls. Es war übrigens ein Igel, der in die Bar krachte und tot zusammenbrach. Netta, ein Flohkind, dessen Wirtstier er war, muss gesehen haben, was zu seinem Tod führte, aber erst durch Hypnose kann sie Licht in die Sache bringen.

Es knistert vor Spannung, wenn Täter entlarvt und Motive enthüllt werden: Eine Skorpionin erweist sich als unschuldig, ein übler Kakerlak hatte sie für seine Zwecke missbraucht. Ein weiterer Verdächtiger ist ein Menschenkind, das Insekten zerschnibbelt und Wilma in einem Marmeladenglas gefangen hält. Wenn Wanze ebenfalls in dieses Gefängnis gerät, werden kleine Leserinnen und Leser schon ein bisschen blass vor Aufregung. Zum Glück stehen eine zuckerabhängige Fliege, eine schlaue Bücherlaus und ein dankbarer Hirschkäfer auf Wanzes Seite. Die befreien das Pärchen und helfen bei der Aufklärung. Shipton weiß, was er Kindern schuldig ist. Doch dem menschlichen Tunichtgut, dessen Ohr in bedrohliche Nähe des Stachels der Skorpionin gerät, wird nur eine Lehre erteilt, und wir alle können aufatmen.

Wer Paul Shiptons Heiße Spur in Dixies Bar gelesen hat, spart sich Berge von Storys über entführte Pudel, Perserkatzen und Zwergkaninchen. Es gibt kaum ein Charakteristikum des Krimis, das hier nicht durch tierische Verfremdung mit feinem Humor karikiert wird. Shipton bedient sich mit subtiler Selbstironie des gängigen Schemas des ausgewachsenen Kriminalromans und macht ihn gleichzeitig zum Kinderbuch. Cool.

Paul Shipton:Heiße Spur in Dixies Bar Aus dem Englischen von Stephanie Menge; Verlag Nagel & Kimche, Zürich 2001; 234 S., 25,- DM (ab 10 Jahren)