Elvis lebt, und wer schon immer wissen wollte, wie sich Stars die Zeit im Jenseits vertreiben, kann den King of Rock 'n' Roll im Internet besuchen. Er residiert auf einer schlichten Homepage, begrüßt seine Besucher mit einem markigen "Howdy! I'm the King, let's talk!" und beantwortet bereitwillig Fragen aller Art. Elvis ist ein so genannter Bot, wobei man sich darunter weniger einen verchromten Roboter, sondern vielmehr ein Sprachprogramm vorzustellen hat, mit dem man sich unterhalten kann. Damit die Besucher auch tatsächlich das Gefühl haben, mit der Legende persönlich zu kommunizieren, wurde er mit original Elvis-Zitaten gefüttert. Gerät er dennoch ins Stocken, schindet er Zeit, indem er vorgibt, mal eben seinen Cheeseburger fertig essen zu müssen.

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Arten von Bots unterscheiden: jenen, die für Forschungszwecke oder auch nur zum Spaß entworfen wurden, und solchen, die für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden. Auch wenn sich mit Elvis jede Menge Geld verdienen ließe: Der Elvis-Bot gehört zur Gattung der Spaßmodelle. Auf seiner Site gibt es keine blinkenden Banner, keine ungebetenen Pop-up-Fenster, noch nicht einmal ein Logo. Zu sehen sind nur ein paar Bildchen aus schlanken Tagen sowie ein Hinweis auf Alice, das Programm, mit dem Elvis erschaffen wurde.

Marc dagegen fungiert als Verkaufsberater oder Web-Agent und ist auf der Site von Olympus anzutreffen. Er weiß so gut wie alles über die Kinobrille Eye-Trek und kann im Zweifelsfall auf die entsprechenden Ansprechpartner oder weiter führende Seiten verweisen. Darüber hinaus plaudert er gern über seine Lieblingsfilme und ist sogar gegen unflätige User gewappnet. So antwortet er auf die Frage, ob er öfter mal beschimpft werde: "Nur zu. Ich denke mal, es wird Ihnen gut tun."

Seine Schlagfertigkeit verdankt Marc der Hamburger Firma Kiwilogic, die bereits die virtuelle US-Präsidentschaftskandidatin Jackie Strike, das Expo-2000-Maskottchen Twipsy, den Flaschengeist von Apollinaris, Barkeeper Leo von Schweppes, Charlie von der Hamburger Morgenpost sowie zahlreiche andere Charaktere zum Sprechen gebracht hat - und nicht zuletzt das virtuelle Double des geschäftsführenden Gesellschafters Karl-Ludwig von Wendt, der auch mitten in der Nacht noch gerne erklärt, wie ein Bot funktioniert und wofür er sich einsetzen lässt.

Die unterschiedlichen Bots von Kiwilogic sind mit je eigenen Persönlichkeiten ausgestattet, was sich nicht nur in Vokabular, Tonfall und Spezialwissen äußert, sondern auch in der äußeren Erscheinung. So präsentiert sich beispielsweise die rothaarige Lola freizügig im schwarzen Bustier, und wenn man sich etwas Mühe gibt, zeigt sie auch mehr von ihrem kurvenreichen Körper. Kein Wunder: Die Dame ist in der Erotikabteilung von Premiere World zu Hause. Auch wenn Lola nicht direkt als Verkäuferin des Premiere-Abos auftritt, verführt sie den einen oder anderen Besucher doch dazu, länger zu verweilen als geplant. So bindet sie ihre Verehrer an die Seite und damit auch ein wenig an den Anbieter. Außerdem fragt sie ihre Gäste ganz nebenbei aus und liefert damit wertvolle Marketinginformationen - vorausgesetzt, die Antworten fallen ehrlich aus.

In den meisten Fällen soll ein Bot Call-Center und Vertrieb entlasten, indem er Routinefragen beantwortet und Ansprechpartner nennt. Untersuchungen zeigen außerdem, dass die Kunden seltener den Einkauf abbrechen, sobald ein Bot in Aktion tritt. Genau dieser vorzeitige Abbruch ist aber ein Haupthindernis des E-Commerce. Deshalb heuern immer mehr Firmen einen Bot als virtuellen Mitarbeiter an, der zudem niemals müde wird und auch keinen Urlaub braucht.

Mittlerweile gibt es eine ganze Anzahl von Firmen, die deutschsprachige Bots anbieten. So stammen Sonya, die Botschafterin von der Sony-Site, der virtuelle Tarifberater von T-Mobil und T-D1 sowie der Sänger E-Cyas aus dem Hause I-D Media in Berlin. Mr. Clean, der virtuelle Meister Proper, Vee, die virtuelle Berufsberaterin für Jugendliche sowie der Immobilienberater Bob wurden von vista new media in Köln entwickelt.