Schlössern wie Cottages fehlen die Besucher: Die Engländer bleiben am Wochenende lieber in den Städten, als hinaus ins Grüne zu fahren. Auf 100 Millionen Pfund die Woche, mehr als 300 Millionen Mark, beziffert die englische Tourismusindustrie den Verlust durch die Seuche.

Auch deutsche Urlauber warten ab. "Extrem", sagt John Frances, Besitzer der Ferienhausvermittlung England for Runaways, spüre er die Maul- und Klauenseuche. Die Kataloge bleiben liegen, eine Buchung ist die Ausnahme. Nur gut, dass es eine eingeschworene Fangemeinde gibt, die süchtig nach Englandurlaub ist. Vielen kleineren Spezialveranstaltern geht es ähnlich. "Das hat uns gerade noch gefehlt", klagt Uta Ashley, die ebenfalls Ferienhäuser vermittelt, "obwohl es nicht ganz so dramatisch wie befürchtet ist." Die Kunden sind jetzt besser informiert, stellt sie fest, sie haben keine Angst mehr, sich anzustecken, sondern wollen wissen, wo noch was möglich ist. Dass es schlecht um die Reservierungen stehe, hat sie auch von Konkurrenten gehört.

Wolters Reisen in Bremen spüren ebenfalls die Auswirkungen der Seuche. Die Natururlauber stornieren, die Wanderer fahren lieber woanders hin. Produktleiter Klaus Bühring registriert einen deutlichen Buchungsrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Bei DFDS Seaways, die Hamburg mit Harwich verbinden, zeigen die Buchungseingänge ein Minus zwischen 20 und 25 Prozent.

Noch hat die Saison gar nicht begonnen. "Es wird was kommen", befürchtet Doris Kimmel, Geschäftsführerin bei Wikinger Reisen. "Wie es zu Ostern aussieht, wird wichtig sein", sagt David Hamilton, Leiter der British Tourist Authority (BTA) in Frankfurt. Immerhin war für dieses Jahr ein Buchungszuwachs von drei Prozent geplant. Wer seine Ferien im Cottage auf dem Land oder auf einer Farm verbringen will, muss jetzt seinen Urlaub verschieben. Aber, so schätzt Hamilton, nur etwa 20 Prozent der deutschen Englandurlauber zieht es aufs Land. Und dies in den Sommermonaten. Wer weiß, wie die Lage sich entwickelt. "Die Situation ändert sich von Tag zu Tag." Auskunft über die gesperrten Regionen gibt es im Internet unter www.visitbritain.com und bei der BTA (Tel. 069/97 11 23). Von den rund 450 Anfragen täglich beziehen sich nur 20 bis 25 auf die Seuche. David Hamilton zeigt "leichten Optimismus".

Wer in England reist, sollte gewissenhaft alle no-go areas meiden: Überschreitungen können mit bis zu 5000 Pfund Strafe geahndet werden. Wer von der Insel kommt, muss sein britisches Wurst- oder Käsesandwich bei der Einreise der Mülltonne übergeben, denn der Erreger kann durch Fleisch- und Milchprodukte sowie durch Häute, Felle, aber auch Schuhe eingeschleppt werden. Merkblätter klären auf. Bei der DFDS-Fähre sollen nun schon beim Einschiffen in England Autos und Schuhe desinfiziert werden. Aber "hundertprozentige Sicherheit haben wir nicht", sagt Stefan Marks, Pressesprecher der Gesundheitsbehörde in Hamburg, obwohl hier am Flughafen, im Gegensatz zu Frankfurt, Desinfektionsmatten liegen.

Auch andere Länder fürchten, dass das Geschäft leiden könnte. Aus Angst vor Ansteckung wurden in der maul- und klauenseuchenfreien Republik Irland die Nationalparks gesperrt. Golfplätze abseits von Tierherden sind ab 23. März aber wieder zugänglich. Aktuelle Auskunft: www.ireland.travel.ie. Seit der erste MKS-Fall im französischen Departement Mayenne aufgetreten ist, fragen besorgte Veranstalter nach, wie es im Nachbarland weitergeht. "Frankreich könnte noch gravierender werden", sagt Jörn Kreib, Pressesprecher von Natours Reisen.

Ratschläge gibt die Hotline 0211/518 80 12.