"Deutschland, wir haben ein großes Problem!", müsste es stattdessen heißen. Denn nach Einschätzung von Politikern und Experten ist es unausweichlich, dass die Maul- und Klauenseuche die Grenzen zu Holland überwindet und sich in Deutschland ausbreitet. Das Thema ist deshalb Aufmacher in den meisten Tageszeitungen. "Seuchen-Alarm!" krakelt zum Beispiel die "Bild" in großen roten Lettern, "Tierseuche breitet sich rasant aus", schreibt die "Frankfurter Rundschau", "Deutsche Behörden lösen Seuchen-Alarm aus", die "Welt".

Als hätten sie bereits irgendeine Seuche, haben die USA gestern 51 russische Diplomaten in einem Rutsch des Landes verwiesen. "Der Ton zwischen Moskau und Washington wird rauher", stellt die "Frankfurter Allgemeine" in der Headline fest, ähnlich die "Süddeutsche Zeitung".

Ein- statt ausgewiesen wurde dagegen ein ehemaliger Staatschef: "Krenz muss sitzen bleiben", titelt "die tageszeitung" auf der Eins und geht damit auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschrechte ein. Das Gericht in Strassburg hatte entschieden, dass die Schießbefehle an der Mauer auch nach DDR-Recht Unrecht waren und Krenz deshalb zurück ins deutsche Gefängnis muss.

Auch eine kleine, aber im Zuge der aktuellen Nachrichtenlage eher weniger stark beachtete Katastrophe ist die fortgesetzte Talfahrt von Dax, Nemax und Co.: "Börsen finden keinen Boden", reimt das "Handelsblatt" dazu.

Causa Krenz: Keine Siegerjustiz

"Ich habe ein Urteil bekommen, aber kein Recht", soll Egon Krenz das Urteil der Europäischen Menschenrechtswächter in Strassburg kommentiert haben. Absurd, denn wenn es nach dem ehemaligen DDR-Staatschef gegangen wäre, hätten die Richter Deutschland wegen eines Verstoßes gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verurteilt; die verbietet eine Rückwirkung von Strafgesetzen. Krenz und einige ewig gestrige Genossen dürften aber die Einzigen sein, die sich ungerecht behandelt fühlen. Die Kommentatoren der Tageszeitungen geben unisono ihrer Befriedigung über das Urteil Ausdruck, gegen das es keine Rechtsmittel mehr gibt. "Die Richter sagen Selbstverständliches: Das Recht auf Leben ist höchstes Menschenrecht. Keine noch so begründete Staatsräson kann es auslöschen, nicht einmal eine, die die Existenz des eigenen Staates zu bewahren meint", heißt es in einem Kommentar der "Frankfurter Rundschau". "Das Urteil hat nicht nur für die Mauerfälle Bedeutung", schreibt Christian Rath in der "tageszeitung". "Auch die Verurteilung von DDR-Richtern wegen Rechtsbeugung oder von DDR-Politikern wegen Wahlfälschung kann damit kaum noch angegriffen werden." Die Folgen des Urteils dürften sich nicht auf die Bundesrepublik beschränken, denn es stellt klar, dass eine solche Vergangenheitsbewältigung legitim ist: "Mit diesem Signal wird das Europäische Tribunal weit über Deutschland hinaus wirken", kommentiert Stefan Ulrich in der "Süddeutschen Zeitung", "denn die Problemlage ist in aller Welt ähnlich, ob in Mittel- und Osteuropa, Südamerika oder auf dem Balkan."

Einen kleinen Seitenhieb auf die bundesdeutsche Justiz hält die "Süddeutsche Zeitung" an dieser Stelle allerdings für angebracht: "Sie (die bundesdeutsche Justiz, die Red.) stünde noch glaubwürdiger da, wenn sie nach dem Zweiten Weltkrieg genauso konsequent gegen die Nazi-Verbrecher vorgegangen wäre."