Naturgemäß kümmert sich die "tageszeitung" heute auf Seite Eins um die Vorgänge in Norden Deutschlands: "Wendland in Gewahrsam" titeln die Berliner. Die "Frankfurter Rundschau" schließt sich an. "Polizei räumt Weg für Castor frei", während die "Süddeutsche Zeitung" mit "Blockaden verzögern Castor-Transport" auf Leserfang geht. Die "Welt" schreibt: "Shell kauft Dea: Größstes deutsches Tankstellennetz ensteht." Ein Thema, das auch das "Handelsblatt" beschäftigt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schließlich hievt das leidige Thema Rentenreform noch mal auf Seite Eins: "Im Streit um die Rentenreform verhärten sich die Fronten". Für die "Bild" gibt es heute auch wieder nur ein Thema: Dieter Bohlens nicht gehaltene Eheversprechen gegenüber seiner Naddel. "Warum läßt sich eine Frau so demütigen?" fragt sich die Redaktion.

Castor rollt und rollt und rollt

Der Transport der Brennstäbe nach Gorleben wird abgeschlossen. Das ist keine Frage. Und es wird nicht der letzte gewesen sein aber die "tageszeitung" macht sich so ihre Gedanken über die ermatteten Proteste: "Gestern sammelten sich wenige tausend Demonstranten, wo 1997 noch 30.000 protestierten. Stell dir vor, es gibt eine gut inszenierte Blockade - und keiner geht hin. (...) Viel Inszenierung - und kaum demonstrierende Protagonisten. Wie kann das sein? Die AKW-Gegner sind einfach dort angekommen, wo alle anderen Bewegungen der 70er-Jahre schon vor ihnen geendet sind - in der Institution (...) Und hat der Staat erst mal eine Sorge seiner Bürger adoptiert, erlahmt der Widerstand, wird die Verantwortung gern an die amtlich Zuständigen delegiert." Sitzen die ehemaligen Protestler also in ihrem Häuschen und rächen sich nur noch per Wahlzettel? Die Bauern im Wendland schimpfen auf die Regierung und - nicht zuletzt - auf die Grünen, die doch jahrelang gegen Castoren und Atommülltransporte gewettert haben. Doch was sollen die machen? Schließlich ist der Müll ja unserer, wie die "Frankfurter Rundschau" feststellt. "Einfach ist es allerdings nicht, und eine schnelle Lösung wird es auch nicht geben. Denn keine Bundesregierung, nicht einmal eine pur grüne, die mit gewendeten Energiekonzernen einen Sofort-Atomausstieg ausgedealt hätte, könnte auf die Rücktransporte aus La Hague verzichten. (...) Selbst bei einem sofortigen Stopp der Wiederaufarbeitung - den wollte ja auch der grüne Minister, konnte ihn aber in den Atomkonsensgesprächen gegen Konzerne und die SPD nicht durchsetzen - würde die Gesamtmenge des aus La Hague und der britischen WAA Sellafield zurückzunehmenden Atommülls bestenfalls um ein Drittel vermindert." Und man kann getrost davon ausgehen, daß weder die Franzosen, noch die Engländer unseren Müll bei sich haben wollen. Andersherum gefragt: Würden wir den strahlenden Müll der befreundeten Nachbarn aufnehmen? Das sieht die "Welt" so, die aber sicherheitshalber auch mal auf die Gesetzeslage in ihrem Kommentar verweist. Doch dann überraschen die Berliner mit einem eigenartigen Geständnis: "Im Kleinen haben die Hausbesetzer der achtziger Jahre, so abstoßend ihr Gebaren teilweise auch gewesen ist, zumindest eines bei allen Parteien erreicht: das Bewusstsein dafür, dass die nackte Zurschaustellung der Eigentümermacht eine Provokationsgrenze hat, die nicht unbeachtet überschritten werden kann. Die Gleisbesetzer reagieren auf eine Zurschaustellung staatlicher Macht, die ebenso legitim wie problematisch ist. Die Besetzer reagieren zum Teil mit kriminellen Mitteln darauf, dass eine Politik, die als gescheitert erklärt worden ist, im Wendland entsorgt werden soll." Und noch mehr Verständnis aus der "Welt": "Mit den Gleisbesetzern muss man reden, gerade jetzt; und wer, wenn nicht Trittin, sollte dies tun. Wenn die Demonstrationen das Signal für eine abgerissene Kommunikation sind - und vieles spricht dafür -, dann muss die Regierung Flagge zeigen, statt nur die Polizei vorzuschicken. Das ist zwar mühselig - wollen die Gleisbesetzer überhaupt zuhören? -, aber Trittin sollte es wenigstens versuchen."

Drama im Nahen Osten

Deutlich dramatischer zeigt sich die Lage in Israel. Das Land will nicht zur Ruhe kommen. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine Bombe explodiert und unschuldige Menschen beider Seiten zu Tode kommen. Eine Situation, die die Kommentatoren weiterhin besorgt. Die "Welt" hat heute einen lesenwerten Kommentar über die zunehmende Brutalisierung des Konfliktes: "Noch gut in Erinnerung sind die Schreie des zwölfjährigen Palästinenserjungen Mohammed el Durra, der Ende September in Gaza von israelischen Gewehrkugeln getroffen wurde und am Straßenrand langsam in den Armen seines Vaters starb. Jetzt schoss ein mutmaßlich palästinensischer Scharfschütze einem zehn Monate alten jüdischen Kind in der geteilten Stadt Hebron in den Kopf - es starb in den Armen seiner Mutter. (...) Frieden zwischen Israelis und Palästinensern mag irgendwann in feierlicher Runde zwischen Politikern auf dem Papier geschlossen werden. Wirklicher Frieden aber wird nur dann Bestand haben können, wenn sich beide Völker über den Gräbern ihrer toten Kinder versöhnen." Die "Süddeutsche Zeitung" nimmt in scharfer Manier Jassier Arafat aufs Korn. "Unbeirrt von all dem Blut, das seit sechs Monaten im Nahen Osten fließt, hält Palästinenserpräsident Jassir Arafat an seiner Taktik fest. Sie stammt direkt aus der Steinzeit, nicht aus dem Jahr 2001. Arafat, der Ex-Terrorist und Führer eines Volkes ohne Staat, traut der Gewalt, nicht den Worten. (...) Nach der Tötung des israelischen Babys in Hebron und der Bombenexplosionen kann Arafat gewiss sein, dass Israel mit Abriegelungen und gezielten Exekutionen palästinensischer Terroristen reagiert – weil Israel stets immer nur reagiert, anstatt selbst die Initiative zu ergreifen. Am liebsten wäre es Arafat, wenn er Scharons harte Hand schon jetzt, während des Gipfeltreffens in Jordanien, spüren dürfte. Dann könnte er mit dem Finger auf den Premierminister zeigen und sich beklagen, wie schlecht Israel die Palästinenser behandelt." Auch der "Tagesspiegel" entsetzt sich über die Vorgänge im Nahen Osten: " Rechtzeitig zum Gipfel der Arabischen Liga in Amman wollen die Palästinenser Scharon zu unüberlegten Reaktionen provozieren, um den Schulterschluss gegen Israel zu erreichen. Bei dieser zynischen Rechnung geht es vor allem - um Geld. Von der Milliarde Dollar, die die arabischen Staaten den Palästinensern vor Monaten versprochen hatten, ist noch nichts angekommen. Schon haben die orthodoxen Eltern angekündigt, ihr Kind erst begraben zu wollen, wenn das arabische Viertel, aus dem der Schuss fiel, von israelischen Soldaten besetzt wird: ein Krieg, der in und um die Medien geführt wird. Und in dem kleine Kinder ganz real sterben."

Mangelnde Potenz am Neuen Markt

Huch, am frühen Morgen Unterleibsprobleme beim "Zeit-Pressebrief"? Nein! Wir haben uns den Zeugungsproblemen von Boris Becker nicht gewidmet und es ist auch alles ganz harmlos bis auf eine klitzekleine Erkenntnis, die uns heute die Internet Glosse "Zippert surft" in der "Welt" verrät. "Menschen mit schlechter oder gar keiner Schulbildung haben zum überwiegenden Teil gar nicht die Absicht, das Internet zu nutzen - behauptet jedenfalls eine Studie. Nach einer anderen Studie sind die meisten angebotenen Seiten pornografischen Inhalts, und eine weitere Untersuchung ergab, dass das Internet vorwiegend zur Weiterbildung benutzt werde. Ungebildete verweigern sich also der pornographischen Fortbildung, während Hochschulabgänger ihre Zeit anscheinend in erster Linie mit Erektionsbildungen verschwenden. Kein Wunder, wenn der Neue Markt ständig einknickt."