Was aber nach zwei Landtagswahlen im Südwesten, die nun wirklich nicht allzu viel hergeben, weil selbst der Riesenerfolg für Ute Vogt in Baden-Württemberg nicht verdecken kann, dass sich zwischen den Blöcken wenig bewegt hat? Da lohnt es sich, einmal nachzudenken, wie denn überhaupt Bewegung ins Spiel kommen kann, wenn im Zweikampf (die Guten gegen die Bösen) so wenig auszurichten ist und selbst Helmut Kohl erst nach 16 Jahren wg. Überdrusses weichen musste.

Im deutschen politischen System der Nachkriegsdemokratie sind Machtwechsel nur selten durch massive Gewinne der Volksparteien ausgelöst worden, sondern zumeist durch den Wechsel der Koalitionspartner. Das heißt: Es reichte nicht aus, dass die Wähler die Seiten wechselten, es musste auch eine Partei - die des Koalitionspartners (zumeist des kleineren) - die Seite wechseln. (Insofern war die Bundestagswahl 1998, die rot-grün an die Bundesmacht brachte, eine große Ausnahme, weil zum ersten Mal auf Bundesebene ein Machtwechsel direkt vom Wählervotum ausging.)

Doch der Machtwechsel durch Koalitionswechsel ist schwieriger geworden, seit jede der Volksparteien einen sozusagen "natürlichen" Koalitionspartner zur Seite hat - die Union die FDP, die SPD die Grünen. Allerdings ist die SPD insofern in einer vorteilhafteren Lage, als "ihr" natürlicher Koalitionspartner, nämlich die Grünen, es schlecht mit beiden Volksparteien treiben kann; schwarz-grün bleibt noch lange eine strategische Spielerei ohne Realität - Jürgen Trittin und Laurenz Meyer an einem Kabinettstisch, na bitte! Der geborene Partner der Union hingegen, die Liberalen, führten ja gerade in Mainz vor, dass er mehrere Optionen hat. Der Haken ist nur der: Das "Zünglein an der Waage" funktioniert so richtig erst, wenn es nur ein Zünglein gibt - und nicht deren zwei, nämlich das grüne und das gelbe Zünglein.

Und jetzt, lieber Leser, kommen wir zu dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Wahl im Südwesten:

Wenn die Liberalen trotz all dieser Komplikationen zu ihrer früheren Rolle des Spielmachers der Machtwechsel zurückkehren wollten, dann müssten sie eben - wesentlich stärker werden als die Grünen, also um so vieles stärker, dass sie deren "Störwirkung" im Schaukelspiel - über-spielen könnten. So gesehen ist Jürgen Möllemanns Gerede über die 18 Prozent als Zielmarke zwar eine irre Parole, aber zugleich - im Sinne der angestrebten Rolle - eine objektive Notwendigkeit.

Nun zeigt aber die Wahl im Südwesten - und zwar trotz des Einbruchs bei den Grünen: Diesen Aufschwung können die Liberalen einfach nicht nehmen, weder an der Seite der CDU noch an der Seite der SPD. Im Gegenteil, der Erfolg der von ihnen mitgetragenen Regierungen kommt jeweils dem größeren Partner zugute. Nicht einmal im Stammland des Liberalismus, in Baden-Württemberg mit seinem Remstal, sind zweistellige Ergebnisse in Sicht, um von 18 Prozent gar nicht erst zu schwärmen. [Und erst recht die Wiederholung der Koalition gegen die CDU unter Reinhold Maier (FDP, damals DVP) aus den fünfziger Jahren, erweist sich als Propagandaspuk, den vor allem die FDP nicht träumen durfte; er war in diesem Wahlkampf ja nur kurzfristig ersonnen worden, um der SPD eine Regierungschance anzudichten.]

Was also folgt aus dem Wahlsonntag? Dieses und jenes, gewiss - vor allem aber: Die Liberalen sollten sich von Möllemanns Vision so schnell wie möglich lösen. Aber welche hätten sie sonst. Und was sagt nun Westerwelle?