Die deutschen Lebensversicherer dürfte die Studie der Kölner Rating-Agentur Assekurata wenig erfreuen: Etwa ein Viertel der Gesellschaften werde seine Leistungsversprechen wegen des niedrigen Kapitalmarktzinses voraussichtlich nicht erfüllen können, so das Ergebnis der Kölner Untersuchung. Die Experten hatten die Bilanzen der Versicherer geprüft und sie mit den Beispielrechnungen abgeglichen, die den Verbraucher über die voraussichtlichen Leistungen aus seinem Versicherungsvertrag informieren. Das Fazit der Prüfer: Viele Lebensversicherer rechnen möglicherweise zu optimistisch und werden deshalb ihren Kunden später deutlich weniger auszahlen können, als sie ihnen in ihrer Werbung versprechen.

Seit Jahren sorgen Versicherungsvergleiche, die dem Verbraucher zu mehr Durchblick im Tarifdschungel der Angebote verhelfen wollen, für erbittertes Pro und Contra. So sind heftige Auseinandersetzungen schon programmiert, wenn die Stiftung Warentest einen neuen Versicherungsvergleich veröffentlicht. Regelmäßig beziehen die Warentester Prügel von den Anbietern, die auf den hinteren Rängen gelandet sind und womöglich mit einem "mangelhaft" beurteilt wurden.

Doch auch beim Verbraucher sorgen die Vergleiche zuweilen für Irritation. Je nach Bewertungskriterien können die Schlusslichter der einen Liste schon im nächsten Test mit einem "sehr gut" beurteilt werden. Nicht dass die eine oder andere Analyse etwa schlampig angelegt wäre. Der Streit um die Kennzahlen und ihre Gewichtung zeugt von einer grundsätzlichen Problematik.

Noch vor einigen Jahren beschränkten sich die Veröffentlichungen der Wirtschaftspresse auf reine Produktvergleiche, in der Fachsprache Rankings. Welche Leistung zu welchem Preis?, lautete die Frage. Ranking-Spezialisten waren und sind beispielsweise die Softwarehäuser Aspect-Online, Morgen & Morgen, Rendite 2000 und die Unternehmensberatung Financial Software Systems. Dann begannen die Test-Teams zusätzlich zu untersuchen, wie viele Versicherungsverträge jeweils wieder storniert werden und wie kostenbewusst der Versicherer wirtschaftet. Die ersten umfassenden Bilanzanalysen, also Ratings, die unter anderem Rückschlüsse auf die Beitragsstabilität und die langfristige Sicherheit der Unternehmen zulassen, konzentrierten sich zunächst auf zwölfjährige Zeiträume. Inzwischen liegen auch Langzeitanalysen vor.

Vorreiter dieser Ratings ist der Versicherungsspezialist Manfred Poweleit. Einen anderen Ansatz verfolgt Professor Jörg Finsinger von der Universität Wien. Er untersucht die Glaubwürdigkeit der zu Vertragsbeginn vom Versicherer versprochenen Ablaufleistung in ferner Zukunft. Darüber, ob der Anbieter jeweils glaubwürdig ist, soll eine Gegenüberstellung von Zukunftsversprechen und in der Vergangenheit tatsächlich erbrachter Leistung Aufschluss geben.

Wiederum andere Wege gehen die britische Rating-Agentur Standard & Poors sowie Assekurata. Beide erstellen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Unternehmen Qualitätsurteile vor allem über die Finanzkraft der Versicherer. Wesentliche Grundlage dieser Ratings ist ebenfalls die Analyse von Bilanzkennzahlen. Es fließen aber auch vertrauliche Unternehmensinformationen ein.

Bei der Beurteilung eines privaten Krankenversicherers beispielsweise untersucht Assekurata die Beitragsstabilität, Kundenorientierung, den Erfolg, das Wachstum und die Unternehmenssicherheit. So konnte etwa die UKV Union Krankenversicherung aus Saarbrücken unter anderem wegen ihres guten Service ein "sehr gut" einheimsen. Die Bearbeitungsdauer sei deutlich kürzer als im Wettbewerb, eingehende Beschwerden hätten allerhöchste Priorität, und die Kommunikation des Versicherers mit seinen Kunden sei vorbildlich, so Assekurata. Der Nachteil dieser Ratings: Sie werden jeweils für ein Unternehmen erstellt und nur dann veröffentlicht, wenn die Versicherer zustimmen. Dafür sind die veröffentlichten Untersuchungen kostenfrei im Internet erhältlich.