Freitag habe ich dann um 11 Uhr eine Schauspielstunde. Wenn ich's schaffe, werde ich vor dem Frühstück noch eine halbe Stunde meditieren. Kann gut sein, dass mein Agent anruft und mir ein paar Vorsprechtermine durchgibt. Über Pager und Handy bin ich immer erreichbar. Wenn nichts kommt, warte ich zu Hause auf meinen Mitbewohner, auch ein Schauspieler, der nach vier Monaten in Deutschland wieder zurückkommt.

Der Samstag ist fest verplant: Ab 9 Uhr unterrichte ich drei Stunden lang in einer privaten High-School Tanz und Turnen. 100 Dollar die Stunde sind ja ein ganz gutes Zusatzeinkommen. Danach gebe ich Tango- und Swingunterricht. Ich bin schon recht bekannt in der Tanzszene hier, die Schüler kommen meist von alleine auf mich zu. Abends möchte ich mich noch ein bisschen auf die Oscar-Verleihung am Tag darauf vorbereiten. Einige nominierte Filme habe ich noch nicht gesehen, Tiger and Dragon und Hannibal. Ich bin ein großer Fan von Anthony Hopkins, mit dem würde ich gerne mal arbeiten. Da ich Mitglied in der Schauspielergewerkschaft bin, kann ich immerhin umsonst ins Kino.

Am Sonntag brauche ich Ruhe. Wenn ich's schaffe, gehe ich in die Kirche. Es ist eher eine, wie soll ich sagen, spirituelle Gemeinschaft. Ein wenig Singen, ein wenig Meditation. Eine Freundin hatte mich mal dorthin mitgenommen. Nachher gehe ich meistens auf den Friedhof nebenan. Immer wenn's mir nicht so gut geht, finde ich auf dem Friedhof Entspannung. Es rückt die Dinge zurecht. Schauspieler nehmen sich oft zu wichtig, diese Ich-Bezogenheit ist ja Teil des Berufs. Nachmittags will ich noch mal zwei Filme angucken, dafür lasse ich wohl den üblichen sonntäglichen Strandspaziergang in Malibu sausen. Gladiator und Traffic stehen noch an. Die Oscar-Party findet dieses Jahr wahrscheinlich bei einem Schauspielerfreund statt, der ein großes Haus hat. Wir gucken dann mit 20 oder 30 Leuten die Fernsehübertragung, mit Sekt und Essen. Das macht jeder in der Branche. Zu den offiziellen Partys bin ich natürlich nicht eingeladen, aber vielleicht irgendwann mal. Ich fiebere vor dem Fernseher auf jeden Fall genauso mit wie früher bei den Weltmeisterschaften im Turnen. Dass es bei der Oscar-Verleihung auch um Politik geht und nicht immer der gewinnt, der's verdient hätte, ist ja klar.

Montag ist ein Produzenten-Meeting für einen Kinofilm namens Vampire Hunters. Dreimal habe ich dort schon für die Hauptrolle vorgesprochen, für den Vampir Asrael. Drehbeginn ist Ende März. Zum großen Teil wird hier gedreht, aber auch drei Wochen in Rumänien. Ich glaube, ich habe gute Chancen. Wahrscheinlich fällt die endgültige Entscheidung an diesem Tag. Abends trete ich dann in einer Tanzshow in San Diego auf. Das ist das Rahmenprogramm zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung für irgendwelche Herzkrankheiten.

Dienstag drehe ich den ganzen Tag einen Seifen-Werbespot, der in Japan laufen wird. Penelope Cruz ist auch dabei. Darum werde ich wahrscheinlich schon von einigen beneidet. Nervös bin ich deshalb aber nicht, ich habe schon mit Stars gearbeitet, mit Helen Hunt oder Barbra Streisand.

Und am Mittwoch habe ich bisher überhaupt nichts vor. Das ist ungewöhnlich. Bleibt wahrscheinlich nicht so, bis dahin ergeben sich sicher noch Vorsprechtermine. Wenn ich aber wirklich Zeit hätte, würde ich gern ins neue Getty-Museum gehen. Das habe ich mir schon so oft vorgenommen. Früher war ich schon der Partykönig, heute verbringe ich meine Freizeit am liebsten mit ruhigeren Dingen.