Schaut er nicht goldig aus? Geradezu unschuldig. Und doch ein bisschen trotzig - als würde er gleich mit seinem Spielzeugschwert auf den Boden stampfen. Der kleine Racker ist nicht zu unterschätzen. Erst im letzten Frühjahr büxte er aus: Bei seiner Reise von der Ost- an die Westküste verschwand er einfach von einer Laderampe in Chicago - und wurde in Los Angeles aufgegriffen. Ein Lumpensammler entdeckte ihn auf einem müllübersäten Parkplatz hinter einem Supermarkt. Da waren schon längst das FBI und die halbe westliche Welt in Aufruhr. Der Finder wusste nichts davon: Er lese die Zeitungen nicht, in die er sich einwickele, sagte er der Polizei.

73 Jahre wird Oscar in diesem Jahr - doch verweigert er sich - ähnlich wie sein Namensvetter Matzerath - erfolgreich dem Erwachsenwerden. Für die Drehbuchautorin Frances Marion, die Vorlagen für über 150 Filme schrieb (und ihn zweimal in Empfang nahm), war er "das perfekte Symbol für die Filmindustrie": ein kraftvoller, athletischer Körper mit einem abgeschnittenen Kopf.

Gerade 200 Dollar kostet seine Herstellung, denn die Goldauflage ist äußerst dünn. Der Kern besteht aus Messing - immerhin rostfrei. Verkaufen darf man ihn nicht, nur gegen eine Schutzgebühr von einem Dollar zurückgeben. Dennoch ging bei Sotheby's mal einer von Vivian Leigh weg: für 560 000 Dollar.

Dass er einmal so wertvoll werden könnte, hätte anfangs wohl auch sein Vater, der Filmproduzent Louis B. Mayer, nicht gedacht. Zwei Jahre vergingen, ehe die von ihm gegründete Academy of Motion Picture Arts and Sciences im Jahr 1929 erstmals ihre Auszeichnungen vergab. Und es schien fast, als wäre es auch gleich das letzte Mal. Die Preisträger - sie standen drei Monate im Voraus fest - kamen nicht alle persönlich. Emil Jannings etwa hatte sich seine zwei Trophäen schon vorher abgeholt und war längst wieder nach Deutschland gereist. Douglas Fairbanks, der Moderator, brachte die Zeremonie in knapp viereinhalb Minuten über die Bühne. Ein paar Zeitungen erschienen mit kleinen Meldungen, die Radiosender ignorierten die Veranstaltung komplett.

Lange Zeit sollten Oscars 34 Zentimeter zwar wacker die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der amerikanischen Filmwirtschaft vertreten. Doch das wäre wohl irgendwann so spannend gewesen wie die Ehrung für verdiente Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Detmold. Erst 1953 wurde Oscar zu dem, was er heute ist. Er kam ins Fernsehen. Die erste Live-Übertragung, moderiert von Ronald Reagan, konnten bereits 80 Millionen Menschen sehen.

Heute schaut schätzungsweise eine Milliarde zu, und die Veranstaltung gleicht einer globalen Game-Show. Wer gewinnt, geht noch einmal über Los und spielt durchschnittlich 30 Millionen Dollar mehr ein. Allen Beteiligten ist klar, dass keinesfalls der beste Film gewinnen kann - ja gewinnen darf. Darin liegt ja gerade der Reiz. Chaplin, Hitchcock oder Kubrick hatten also niemals eine Chance.

Das Votum der knapp 6000 Akademie-Mitglieder hat - ähnlich wie die Preise bei Filmfestspielen - oft einen Hautgout von Quotenmathematik. Vielleicht guckt der kleine Schwertkämpfer auch deshalb ein bisschen stoisch; so wie Russell Crowe im zwölffach nominierten Gladiator. Wenn Conferencier Steve Martin sich traut, könnte es immerhin ein paar gute Witze geben im Shrine Auditorium zwischen all den Smokings und teuren Tutus, den geliehenen Klunkern und den "spontanen" Dankesreden von maximal 45 Sekunden. Nur einer wird wieder nicht dabei sein: Woody Allen. Denn die Oscars werden montags verliehen. Und montags spielt er Klarinette.