"Daß durch mich die Dummheit dümmer wird" (Nr. 766, 71), deshalb schrieb Karl Kraus seine Satire und 37 Jahre lang die Fackel voll. Oftmals besorgt das erkennungsdienstliche Entlarvungsgeschäft aber schon die Dummheit selber.

Ob wir Deutsche denn die "Deppen der Welt" seien: Diese Frage beunruhigte seit Brandt/Scheel mehrfach und ganz erheblich Franz Josef Strauß. Genau 30 Jahre später, um den Jahreswechsel 2000/01, trieb sie Bayerns nächste Verwandte um, die Österreicher - freilich in signifikanter Verkleinerung. "Wir sind ja nicht die Deppen der Nation!", hatte der Kärtner Landeshauptmann und Hoffnungsträger J. Haider sich (angesichs mancher Schlurihaftigkeiten der ÖVP zum Nachteil seiner FPÖ) harsch verwahrt, und wochenlang hatte das Echo in Varianten durch den Parteien- und Pressewald gewütet. "Wir sind die Deppen, aber doch nicht der ganzen Nation", wurde Haider ausgelegt, und: "Kann man Depp einer Missgeburt sein?" (Die Presse).

Eine "Doppelstrategie der Deppen" Haider-Westenthaler wurde vermutet - jetzt aber, seit Jahresbeginn, ist die Staatskrise, scheint's, wieder überwunden, es trat wieder Ruhe ein, und die Deppenselbstverdächtigung wurde liquidiert zugunsten der Etablierung der seither gedruckt manifest gewordenen "Herzlichkeitskultur", der "Schnapskultur" und sogar der "Gute-Laune-Kultur im Rathaus" (Trauner Zeitung). Wahrlich, es sind unsere östlichsten Nachbarn schon gewaltige, so Karl Kraus vor 73 Jahren, "Vampire der Gemütlichkeit".