Schlichte Titel sind en vogue. Music heißt Madonnas jüngste Platte als wär's nichts Besonderes und als hätte sie nicht unzählige Alben veröffentlicht, die irgendwie Musik enthielten. Helge Schneider, der seinen Witzplatten oft komplizierte Namen gab wie Katzeklo (ohne "n") oder Eiersalat - Eine Frau geht seinen Weg (nicht ihren), der kommt jetzt als Saxofonist mit einer CD namens Jazz, die alle Erwartungen unterläuft und übertrifft. Und wie nennen Sylvie Courvoisier und Jacques Demierre, Schweizer Pianisten französischer Sprache, ihre 21 Duette? Deux Pianos (intakt CD 064/Vertrieb: records, Tel.

0202/37 15 70). Wenn das kein Trend ist!

Madonnas Music und Schneiders Jazz, Alterswerke populärer Künstler, dürfen in einer ambitionierten Plattensammlung fehlen obwohl sie, wenn vorhanden, eine Bereicherung darstellen. Deux Pianos hingegen sei hier ausdrücklich empfohlen. Aus mehrererlei Gründen. Erstens investiert man in die Zukunft, denn die Pianistin (1968 geboren) und der Pianist (1954 geboren) sind noch vergleichsweise unbekannt jede verkaufte Platte hilft ihnen auf. Zweitens sind sie in ihrer Kunst schon so weit, dass es Spaß macht, ihnen zuzuhören.

Drittens stellt die CD gewisse Anforderungen an den Käufer, wenn er sie nämlich in sein Regal stellen will: Wohin mit den zwei Pianos? Nein, zum Jazz kann das nicht, denn es hat keinen Swing, keinen Drive, keinen Puls, keinen Blues, obschon ... blue ist es reichlich. Erinnert diese Melancholie nicht an jene verwehten Melodien, die der große Randy Weston vor vielen Jahren abends und allein im Saal eines arabischen Hotels aufnahm? Marrakech - In The Cool Of The Evening, ach, ja, na ja, ach, nein.

Zur Klassik also? Assoziationen mit Erik Saties Repetitionen sind da, mit Béla Bartóks Folklorismen. In aller Ruhe schweben einzelne Töne zwischen den beiden Pianos hin und her, von langen Pausen nachhaltig dramatisiert dazu der ganze Klavierklang von wohl temperiert bis präpariert, also schon John Cage fast. Neue Musik! Das ist's, das wär's ... wenn sie nicht dieses Guttuende hätte, dieses über weite Strecken Unangestrengte, dieses Nach-einem-langen-Tag-sich-damit-zurückziehen-Mögen Meditationsmusik? Ja, aber frei von mantrahafter Flachheit, dafür komplex, intelligent, stellenweise sogar eruptiv, mit der Faust oder mit dem Arm gespielt, Cecil Taylor beschwörend, der wiederum ein Freejazzer ist ... Music wäre auch ein guter Titel für diese CD gewesen.