Großes Unheil droht von einem Plan, den der Neuhistoriker Winfried Schulze für das Bundesforschungsministerium entworfen hat: Die vom Bund geförderten geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute sollen zu einer gemeinsamen Stiftung mit zentraler Leitung zusammengefasst werden. Es soll also eine neue administrative Ebene geschaffen werden, um die bisher autonom agierenden, unter anderem in Rom, Beirut, Tokyo und Washington angesiedelten Einrichtungen zentral zu koordinieren. Einem exemplarisch erfolg- und traditionsreichen Haus wie dem Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom droht eine Zeit bürokratischer Wirren: Es soll, wenn die Pläne von Schulzes Strategiepapier wahr werden, fast über Nacht - bis zum Haushaltsjahr 2002 - seine Rechtsform ändern. Zudem steht ein Direktorenwechsel an: Arnold Esch, der das DHI geleitet hatte, mit glanzvoller Ausstrahlung in die ganze Stadt, geht in den Ruhestand. Aber den vorgesehenen Nachfolger, Johannes Fried, hat bereits die Drohung einer Strukturänderung abgeschreckt. Fried, der angesehenste deutsche Mediävist der mittleren Generation, erläutert in seinem nebenstehenden Text, warum er unter den veränderten Bedingungen nicht mehr zur Verfügung steht.

Der absurde Vorgang ist weit tragend und symptomatisch zugleich. Soeben hat der Wissenschaftsrat die acht Auslandsinstitute begutachtet und ihnen vorzügliche Leistungen bescheinigt. Bedarf für eine organisatorische Änderung zeigte sich nicht. Doch unter ideologischen Gesichtspunkten wie "Synergie" und "Flexibilisierung" wird nun eine einzigartige Tradition leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Über kurz oder lang würde eine solche pseudoökonomische Zentralisierung den örtlich verwurzelten Geist der Institute abwürgen, ihre Leiter von langfristig denkenden Forschern zu willfährigen Wissenschaftsmanagern degradieren. Weiß man im Forschungsministerium, welche Rolle das DHI spielt? Dass es für die Römer, die in Jahrhunderten denken, die fortlebende deutsche Wissenschaft der Zeit von Gregorovius und Mommsen bedeutet? Ach, man weiß es vermutlich nicht und lässt die Bürokratie ahnungslos darübertrampeln.