Washington

Der demokratische Abgeordnete Barney Frank wird leicht ungehalten, spricht man ihn dieser Tage auf Präsident George W. Bush und dessen Debüt in Washington an: "Wir lassen uns von Bushs Charme einwickeln? Quatsch. Charmant sind wir schließlich selbst." Am Geburtstagskuchen, den Bush in den ersten Tagen dem demokratischen Oppositionsführer Dick Gebhardt überreicht hatte, liegt es also nicht, dass der Präsident seine ersten Schritte bislang so mühelos setzen konnte. Eher daran, dass "wir dachten, dass Bush nicht besonders gut vorbereitet in die Präsidentschaft ging und nicht viel Ahnung von den Sachfragen hatte". Ein schwerer Fehler sei das gewesen, meint auch der linksliberale Publizist E. J. Dionne: "Seine Gegner haben sich bisher damit vergnügt, über Bushs mangelnde Intelligenz zu scherzen." Und der Mitarbeiter eines Senators gibt zu, dass das wohl der Grund war, warum Washington dem Präsidenten einen ungewöhnlich langen Honeymoon bereitete.

Bush jedenfalls ergriff die Chance und machte Politik.

Kostproben? In der vergangenen Woche schloss der Präsident unter dem Beifall der Kraftwerksindustrie kurzerhand Gesetze zur Reduzierung des Treibhausgases CO2 aus

der weltweite Protest ließ ihn kalt. Er kündigte an, seinen Freunden aus der Ölindustrie das Bohren in Alaskas Nationalparks zu erlauben. Auf Drängen der Kreditkartenindustrie wird er ein Gesetz unterzeichnen, das den Konkurs von Privatleuten erschwert - die treibende Kraft, die MBNA America Bank, war während des Wahlkampfes sein größter Gönner. Ganz nebenbei verbot er noch den Streik bei einer Fluggesellschaft, und seine Partei verhinderte auf Druck der Industrie ein umfangreiches Regelwerk mit Sicherheitsstandards für den Arbeitsplatz.

In der Innenpolitik wächst der Einfluss der Lobbyisten. In der Außenpolitik wiederum zeichnet sich ein Konflikt zwischen dem gemäßigten Außenminister Colin Powell und den Hardlinern um Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ab.

Am Montag erst zeigte Rumsfeld wieder einmal offen, wie wenig er seinem Kabinettskollegen zustimmt: "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir da nicht etwas zulassen, was die Allianz destabilisieren könnte", sagte er und machte auch sonst aus seiner Skepsis gegenüber der europäischen Verteidigungsgemeinschaft keinen Hehl. Nicht zufällig durfte ausgerechnet der Sunday Telegraph mitschreiben, die mit Abstand europafeindlichste britische Zeitung. Wenige Tage zuvor hatte Außenminister Colin Powell den Freunden in Brüssel noch angedeutet, Amerika unterstütze den Plan der Europäer. Wirre Signale einer jungen Regierung, so scheint es, betrachtet man den Einzelfall.