Impfen oder Keulen - ist das die Frage, einen Monat nach Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Westeuropa? Am Montag legten der portugiesische und niederländische Agrarminister ihren EU-Kollegen in Brüssel jedenfalls diese Frage vor. Sie blieb unbeantwortet. "Mich hat bisher niemand vom Impfen überzeugt", resümierte Ministerin Renate Künast in Brüssel und verwies wie alle Impfskeptiker auf drohende Exporteinbrüche. Erst in zweiter Linie führte sie den Rat der Veterinäre und Virologen an.

Derweil geht das Keulen munter weiter. Großbritannien zählte bis Dienstag 379 erkrankte Tiere, schlachtete aber vorsichtshalber über 300 000. Frankreich entdeckte die Seuche bis dato bei 6 Rindern, und zwar in den Departements Mayenne und Orne, den bislang einzigen Zentren der Seuche auf dem Kontinent.

Trotzdem "euthanasierte" das Land, wie Agrarminister Jean Glavany es ausdrückt, 41 892 Rinder und Schweine.

Der Laie fragt sich: Müssen für ein krankes Tier tausend gesunde ihr Leben lassen? Nein, protestierte der kleine französische Bauernverband Coordination rurale in einem offenen Brief an Präsident Jacques Chirac. Die Bauern fordern die Rückkehr zur Massenimpfung. Diese sei angeblich vor zehn Jahren nur auf britischen Druck hin eingestellt worden. Was falsch ist: Alle nationalen Parlamente haben sich damals nach langen Debatten gegen das Impfen entschieden. Doch jetzt ruft das Parlament in den Niederlanden - wo Anfang der Woche erstmals der Verdacht auf MKS aufkam: Nein und nochmals nein!

Zurück zur Impfung! Und auch der Deutsche Bauernverband stimmt in den Chor mit ein. Ist Impfen nicht doch besser?, bedenkelt ebenso der Bundesverband Praktischer Tierärzte.

Aber: Wer impft, hat die Seuche im Stall und auf der Weide, sonst würde er nicht impfen - so einfach lautet die Regel im Welthandel. Bis 1991 wurde in der Europäischen Gemeinschaft vielerorts geimpft. Anschließend verzichteten alle Mitglieder aus Kostengründen darauf. Die Europäische Union exportierte seither ungestört ihre wachsenden Fleischüberschüsse, mehr als 900 000 Tonnen jährlich im Wert von rund 23 Milliarden Euro. Wenig geht davon in die Vereinigten Staaten, die jetzt ein vorläufiges Embargo verhängten

viel nach Russland, das noch abwartet, wie es auf die MKS reagieren soll. Klar ist: Wer jetzt impft, bleibt auf seinem Fleisch sitzen. Das träfe etwa die Schweinezüchter Dänemarks besonders, denn das seuchenfreie Land exportiert allein 205 000 Tonnen Schweinefleisch nach Japan.