Manche Wunder schafft nur der Winter. Morgens um acht auf dem Hotelbalkon wird eine Märchenlandschaft geboten: Bis zum Horizont schwingt sich weiß glitzernd die bewaldete Hügellandschaft, Rhodopen genannt. Und genau gegenüber, unter azurblauem Himmel und 1925 Meter hoch, liegt der Skiberg Sneschanka, was auf bulgarisch Schneewittchen heißt.

Vergessen der Schneesturm gestern nach Einbruch der Dunkelheit, als wir uns, von Sofia kommend, über die spiegelglatte Autobahn Richtung Plovdiv kämpften.

Vergessen auch die Serpentinen auf der fast unpassierbaren Bergstraße hinauf ins Skigebiet Pamporovo. Immer hart am Rande der Katastrophe, die Worte der bulgarischen Reiseführer im Kopf, die unisono entschieden von Autofahrten in der Nacht abrieten.

Der Schneesturm? Wie weggeblasen. Drüben schimmern die Pisten im Kiefernwald.

An der Rezeption wartet Denko, der Skilehrer. Ein harter Job, auch in Bulgarien. Lange Abschlussfeier gestern in Disko, stöhnt er. Steckt er noch immer oder schon wieder im Skianzug? Im Pendelbus zu den Liften nimmt Denko erst mal eine Mütze Schlaf. Hotel Mourgavetz, Hotel Prespa, Hotel Rojen - Pamporovo ist kein Ort, sondern eine Ansammlung von Hotelkomplexen, Zweckbauten, errichtet in den achtziger Jahren vom kommunistischen Shiwkow-Regime für westliche Winterurlauber. Als Devisenbringer für die Planwirtschaft. Nicht wirklich schön, nicht wirklich hässlich. Dazwischen verbergen sich in den Tannen verwitterte Jagdhütten und Schlösser des bulgarischen Adels, der im 19. Jahrhundert die Berge für sich erschloss. Und jene eher zweckmäßigen Sanatorien für verdiente kommunistische Parteikader.

Nach ihrer Privatisierung werden sie nun vereinzelt zu Vier-Sterne-Herbergen aufgemotzt. Neuerdings gibt es auch in Pamporovo eine orthodoxe Kirche.

Für Wim, den Holländer, ist es Bulgarien-Urlaub Nummer 24: Die Landschaft ist fantastisch, und die Leute sind so freundlich. Allerdings sei es leider nicht mehr so billig wie in Zeiten des Kommunismus. Aber immer noch billig genug. Auf dem Weg zu den Liften wird Holländisch, Englisch, Deutsch, Dänisch, Griechisch, Türkisch und natürlich Bulgarisch gesprochen.