Man wird es kaum glauben, aber Berlin besteht nicht nur aus dem Mitte genannten Stadtteil um das Brandenburger Tor herum, wo eine gesunde Goldgräbermentalität und der betonierte Größenwahn der Stadtplaner den Ton angeben.

Es gibt auch noch den Westen

früher ein subventionierter Biotop für Cleverles und andere Glücksritter. Heute sind sie einem härteren Konkurrenzkampf ausgesetzt, vor allem wenn sie glauben, in der Gastronomie ihr Glück machen zu können.

Tragischerweise sind die traditionellen Adressen um den Kurfürstendamm herum in Vergessenheit geraten, was für Berlin-Besucher wiederum nicht so tragisch ist, wenn man bedenkt, was dort den hungrigen Globetrottern geboten wurde.

Der alte Westen der neuen Metropole hat keine Anziehungskraft mehr für die ununterbrochen telefonierenden Wichtigtuer.

Dass Karasek jede Nacht in der Paris Bar verbringt, wissen wir durch die Boulevardpresse, ohne dass dies unser Bedürfnis verstärkte, diesem Zentrum der Eitelkeiten einen neuen Besuch abzustatten. Auch in den benachbarten Adressen, wo uns früher manches knusprige Wiener Schnitzel serviert wurde und wo sich immer noch die Nachtschwärmer um kleine Tische drängen, ist nichts so geblieben, wie es einmal war: Das Personal einschließlich der teuren Köche ist ausgewechselt, die Wattstärke der Glühbirnen verringert und die Größe der Portionen verdoppelt worden - eine sicherere Methode zur Senkung des Niveaus gibt es nicht.

Allerdings gibt es immer noch Die Quadriga im Hotel Brandenburger Hof, den Bamberger Reiter in der Regensburger Straße und Ana e Bruno, den avantgardistischen Italiener in der Sophie-Charlotten-Straße. Nicht zu vergessen natürlich das Vivaldi im Ritz-Carlton-Hotel im noblen Stadtteil Grunewald, wo der von mir überaus geschätzte Paul Urchs kocht.