Ein paar Stunden noch, dann fliegt Samir Huleileh nach Peking. Dort vertritt er seine Firma auf einer Steinmesse. In den Händen hält er eine Broschüre mit chinesischen Lettern. Diese preisen Huleilehs Erzeugnisse an: Kalksteine aus dem Heiligen Land. In aller Welt sind die weißen Brocken begehrt. Nassar Investment Company ist der größte palästinensische Exporteur - mit Sitz in Bethlehem. Ausgangssperren, Militärkontrollen und Ausfuhrverbote gehören in Zeiten der Intifada zum Alltag. Vor sechs Monaten verhängte Israel auch noch eine Blockade.

Trotzdem funktioniert das Unternehmen. Es muss. Die Kunden in immerhin 26 Ländern der Welt erwarten prompte Lieferungen. Auch Japaner und Südkoreaner.

Von Ausfällen wegen der Kriegssituation wollen sie nichts hören. Deshalb hat Huleileh Methoden entwickelt, die das Geschäft unter allen Umständen garantieren. Sie dienen dazu, Israels Blockaden zu umschiffen, die die Städte und Dörfer im Westjordanland in kleine Inseln verwandelt haben.

Kein leichtes Unterfangen: Um die Kontrollpunkte der israelischen Armee passieren zu können, steuern palästinensische Israelis Lastwagen mit israelischen Nummernschildern. "Abriegelungen kalkulieren wir seit dem Golfkrieg 1991 mit ein", erklärt er. Zur Not schütten seine Leute mit eigenen Bulldozern Straßengräben zu oder räumen Betonblöcke beiseite. Allerdings nur nachts. Um das Risiko zu reduzieren. "Die Armee kann auf uns schießen. Doch die Gefahr nehmen wir in Kauf. Sonst halten wir unseren Platz auf dem Weltmarkt nicht", sagt Huleileh.

Die Kunden der größten Steinfabrik im Nahen Osten reichen vom Flughafen in San Diego bis hin zur Piazza vor der San-Francesco-Kirche in Assisi. Als mal ein Frachtschiff wegen der Abriegelung nicht rechtzeitig beladen werden konnte, schickte Huleileh die kostbaren Steine per Luftfracht nach Kalifornien. Das brachte zwar Verluste ein, aber Huleileh lieferte nach Plan.

Seit dem Aufstand, der Ende September ausbrach, haben es die 300 Angestellten schwer, zur Arbeit zu kommen. Trotzdem bleibt der Chef hart: "Wer dreimal fehlt, wird gefeuert", erklärt Huleileh die einfache Devise. "Und was passiert?", fährt er fort: "Die Leute kommen zu Fuß. So mussten wir noch keinen einzigen Tag schließen."

Heute arbeitet das Unternehmen am Rande der Kapazität. "Der Profit ist zwar gesunken, aber der Laden läuft", sagt Huleileh. Verglichen mit der ersten Intifada, die vor 13 Jahren entbrannte, seien die Palästinenser flexibler geworden. Soll heißen: Wir halten auch das aus.