Selten sah man Helmut Kohl zufriedener als an jenem 8. Juni 1995. Auf dem Podium im Festsaal der Hebräischen Universität in Jerusalem wohnte er der Namensgebung des Helmut-Kohl-Instituts für europäische Studien bei. Noch nie war in Israel einem lebenden Politiker, zumal einem deutschen, eine solche Ehre zuteil geworden.

Vergessen war Kohls erster Israel-Besuch, als er unwirsch durch die Gedenkstätte Jad Vaschem eilte - "Kenn ich doch alles!" -

vergeben sein Beharren auf dem gemeinsamen Friedhofsbesuch mit Ronald Reagan in Bitburg, wo auch Soldaten der Waffen-SS begraben liegen

verdrängt seine Okkupation der "Gnade der späten Geburt". Verflogen der Ärger über den monatelangen Widerstand von israelischen Akademikern gegen die Taufe einer wissenschaftlichen Einrichtung ausgerechnet auf den Namen Helmut Kohl.

Die Ehrung könnte wieder Bedeutung erlangen. Zwei Lehrstühle des Kohl-Instituts werden von einem deutschen Mäzen finanziert: Karl Ehlerding unterstützt durch seine Stiftung zur Förderung der Wissenschaften seit 1993 mit jährlich "mindestens 120 000 Mark" den Walter-Rathenau-Lehrstuhl für europäische Wirtschaftspolitik und den Arnold-Brecht-Lehrstuhl für europäisches Recht. Ehlerding, ehemaliger Mehrheitsaktionär der IG-Farben in Abwicklung, hat dem Kohl-Institut seit 1995 mindestens 720 000 Mark gespendet.

Das wirft Fragen auf: Was hat Helmut Kohl über das Institut gewusst, dem er seinen Namen leiht? Hat er gewusst, dass zwei Lehrstühle von Ehlerding finanziert wurden? War Ehlerding bei der feierlichen Eröffnung des Kohl-Instituts anwesend? Hat Kohl sich, höflich wäre das, bei dem Mäzen für die Lehrstuhlspenden bedankt? Gar persönlich und noch vor 1998? Manche denkbare Antwort brächte den Altkanzler in Schwierigkeiten.

Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags beharrte Kohl darauf, dass er Ehlerding erst im September 1998 anlässlich des Spendenessens im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten kennen gelernt habe. Keinesfalls früher.