Es hat uns bestürzt, dass der Autor angesichts der Zerstörung von Kulturgütern durch die Taliban bereits an die Grenzen seines "globalisierten Denkens" gerät. Offensichtlich bleibt dabei kein Platz, an die Menschen zu denken.

500 000 Menschen sind in Afghanistan auf der Flucht vor den neu aufgeflammten Kämpfen und der Dürre. Nach Pakistan sind mittlerweile 180 000 Afghanen geflüchtet. Die Flüchtlinge harren bei Minustemperaturen ohne ausreichende Unterkünfte, Wasser und Nahrung aus.

Mindestens eine Million Menschen sind von einer Hungerkatastrophe bedroht, so warnten UN-Organisationen schon Mitte letzten Jahres. Die Hilfsorganisationen tun ihr Möglichstes, doch sind die Hilfsprogramme extrem unterfinanziert. Im vergangenen Monat sind die ersten Menschen erfroren und verhungert. Wie hoch muss die Zahl der Opfer sein, ehe sich die Welt auch über diese Katastrophe erschüttert zeigt?

Der Protest gegen die Zerstörung von Kulturdenkmälern ist gerechtfertigt und wichtig. Bei aller Empörung darüber sollten aber Berichte über die unmenschliche Situation, die das Leben Hunderttausender gefährdet, in den Vordergrund treten. Menschen sind viel wichtiger als noch so wertvolle Kulturgüter.

Editha Limbach Vorsitzende der Deutschen Stiftung für Uno-Flüchtlingshilfe e. V., Bonn