Frau Kamien, Herr Groß, ist dieses Treffen für Sie nicht etwas unangenehm? Sie kennen sich einerseits schon sehr lange ...

KAMIEN: Seit ich 14, 15 war ...

GROSS: Ich war zehn Jahre älter. Damals haben wir im Fußballverein gegeneinander gespielt.

KAMIEN: Nicht direkt. Frauen durften damals nur schreien und den Eintritt kassieren.

Nun treten Sie wieder gegeneinander an, nur ist es diesmal voller Ernst. Sie, Herr Groß, gehören als Polizist zu denen, die demnächst dafür sorgen müssen, dass der Castor mit den Brennelementen aus La Hague sicher im Zwischenlager Gorleben ankommt. Und Sie, Frau Kamien, wollen sich mit den Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft und mit anderen Protestgruppen dem Transport in den Weg stellen. Ist es für Sie nicht peinlich, jetzt an einem Tisch zu sitzen?

GROSS: Warum? Wir kennen uns, und wir laufen uns ohnehin oft über den Weg. So etwas ist ganz normal auf dem Land.

Was sich im Landkreis Lüchow-Dannenberg momentan tut, ist alles andere als normal. Von überall her reisen Demonstranten an, bei der Polizei herrscht Ausnahmezustand, und man sagt, dem Wendland stehe wieder einmal ein Bürgerkrieg bevor. Bei den bisherigen Castor-Transporten kam es immer wieder zu hässlichen Prügelszenen. Fürchten Sie nicht, Sie könnten jetzt schmerzhaft aufeinander treffen?