Es gibt Siege, an denen können Freund und Feind verzweifeln. Der Kommunalwahlerfolg der hessischen CDU ist so einer. Über ein Jahr lang wurde die Partei vom Schwarzgeldskandal erschüttert, stand ihr Vorsitzender Roland Koch mit dem Rücken zur Wand - jetzt ist er aus dem Schneider. Was, außer der Depression, bleibt da den hessischen Sozialdemokraten? Jahrzehntelang haben sie das Land dominiert, nun können sie selbst unter besten Bedingungen nicht mehr reüssieren. Offenbar waren die Voraussetzungen doch nicht so günstig.

Die Restenergie, die dem skandalträchtigen Ministerpräsidenten fürs Regieren blieb, reichte, um die Opposition in den Schatten zu stellen. Koch demonstrierte, wie man sich mit Unverfrorenheit aus der Affäre zieht. Die Wähler haben es honoriert. Selbst in seiner politischen Existenzkrise präsentierte sich der Ministerprädident als einer, der die Fäden in der Hand behält.

Das unterscheidet Koch von seinen Freunden an der Spitze der Bundes-CDU. Hier ist die Verzweiflung von Angela Merkel und Friedrich Merz spürbar, die sich hinter der zur Schau getragenen Freude über den Hessen-Erfolg nur schwer verbergen lässt. Zwar dürfen die beiden jetzt ein paar Tage lang auf einen Mutmacher-Effekt bei den bevorstehenden Landtagswahlen rechnen. Vielleicht gewährt ihnen das eine Atempause. Aber was nutzt es dem Krisen-Duo? Es könnte seine prekäre Stellung halten - mehr nicht. Während Koch nun schon zum zweiten Mal aus schwieriger Position heraus Erfolge feiert, machen Merkel und Merz nur noch als Krisenverstärker von sich reden. Das mag noch eine Weile so gehen. Aber es wäre verwunderlich, käme die frustrierte Partei nicht irgendwann auf die Idee, die Erfolglosen gegen den Erfolgreichen auszutauschen. Bis dahin immerhin dürfen Freund und Feind noch ein wenig Hoffnung schöpfen. eis