In meiner Microsoft-Gebrauchsanweisung lese ich: "Wenn Sie auf Office im Web klicken, können Sie die Site durchsuchen sowie Fixes und Updates für Applikationen downloaden." - Sollten Sie Help needen, weil Sie die Message nicht understanden, können Sie mich jederzeit ancallen.

Dr. Hanspeter Plocher Augsburg

Weder braucht die deutsche Sprache ein Schutzgesetz, noch kann man allein schon in der Übernahme englischer Wörter das natürliche Gedeihen der Sprache erkennen. Es ist völlig in Ordnung, englische Wörter zu verwenden, wenn sie klarer sind als deutsche oder wenn sie Dinge benennen, für die es kein deutsches Wort gibt: Eine "Website" beispielsweise lässt sich kaum eindeutschen, weil es schon für das "Web" kein deutsches Wort gibt, denn "Netz" ist zu vieldeutig, während es im Englischen immerhin die Unterscheidung zwischen net, network und web gibt. Für "Software" vollends gibt es gar kein deutsches Wort.

Etwas ganz anderes ist es mit überflüssigen englischen Wörtern wie deadline (für Frist), "sich committen" (für sich verpflichten), meeting (für Versammlung, Besprechung, Beratung), "canceln" (für absagen, abbestellen), "splitten" (für aufspalten), von besonders hässlichen Vertretern wie "umswitchen" (für abändern, umlegen, umbuchen) ganz zu schweigen. Dass sie so weit in die gesprochene Sprache vorgedrungen sind, lässt sich nur mit Gedankenlosigkeit oder Geltungssucht erklären, sprachlich notwendig waren diese Wörter nicht im Geringsten.

Es geht also weniger um Denglisch als um gutes oder schlechtes Deutsch, und da lautet ein heilsamer Rat: so wenig englische Wörter wie nötig, so viel Deutsch wie möglich. Das war die Richtschnur für unsere Väter, als sie vor anderthalb Jahrhunderten manche romanischen Gastwörter wie Perron, Kuvert, Kontrakt und Trottoir durch deutsche Kunstwörter wie Bahnsteig, Umschlag, Vertrag und Gehweg ablösten - mit Erfolg, wie wir heute wissen. Andere romanische Entlehnungen wie Garage, Konto oder Konkurs haben überlebt, weil ihre deutschen Entsprechungen (Fahrzeugabstelle, Rechnung und Zahlungseinstellung) zu unhandlich, mehrdeutig oder einfach unschön waren.

Adrian Dunskus, München