Können wir etwas Sinnvolles aus dem Börsendebakel der vergangenen Wochen lernen? Ich denke: ja. Wir sollten uns auf herrschende Spielregeln in der Wirtschaft besinnen.

Natürlich gibt es eine New Economy, die auf High-Tech-Innovationen basiert.

Aber deshalb gelten in der Ökonomie noch lange keine neuen Gesetze. Als der Geschäftsführer von Yahoo den Rückgang der Werbeeinnahmen beklagte, hätte dies nicht erstaunen dürfen. Jeder Zeitschriftenmanager hätte ihm sagen können, dass Werbekosten als Erstes eingespart werden müssen, wenn die Konjunktur zurückgeht. Erst der Blick hinter die High-Tech-Fassade von Yahoo macht deutlich, wie sehr diese Firma auf Werbeeinnahmen angewiesen ist. Das heißt, Yahoo betreibt ein ganz normales konjunkturabhängiges Geschäft.

Gleiches gilt für Cisco, Lucent, Oracle und viele andere gefallene High-Tech-Stars. Sie produzieren Investitionsgüter, und Investitionsgüterproduzenten mussten in Zeiten des Abschwungs schon immer ums Überleben kämpfen. Ihre Kunden können Investitionsvorhaben nur umsetzen, wenn sie Gewinne erzielen, Zugang zu hohen Krediten haben und zuversichtlich sind, dass die Nachfrage weiter steigt. Sprich: wenn die konjunkturelle Lage gut ist. Ist sie schlecht, fahren sie die Investitionen drastisch zurück. Das ist nun in den Vereinigten Staaten der Fall und der eigentliche Grund für den Kurseinbruch der High-Tech-Aktien.

Warum haben die Investoren geglaubt, die Technologieaktien blieben von den Folgen eines Konjunkturabschwungs verschont? Wohl weil sie glaubten, dass Internet-Unternehmen mit Pharmaziefirmen wie Merck oder Pfizer, nicht aber mit Autoherstellern gleichzusetzen seien. Falsch. Tatsächlich zählen gut geführte Arzneimittelfabrikanten zu Börsenfavoriten mit stetig steigenden Gewinnen. Dies liegt aber unter anderem gerade daran, dass die Nachfrage nach Medikamenten nicht vom Konjunkturzyklus abhängt.

Der Autoverkauf geht dagegen in Zeiten der Rezession zurück. Deshalb haben sich die Aktienkurse der Autohersteller in den letzten Jahren nur mittelmäßig entwickelt. Auch High-Tech-Unternehmen sind immer konjunkturanfällig gewesen.

Sie haben mit der Automobilbranche also mehr gemein als mit der konjunkturunabhängigen Pharmaindustrie. Man muss sich nur den stürmischen Kursverlauf der Intel-Aktie Ende der achtziger Jahre ansehen oder die Achterbahnfahrt vieler Computerdienstleister Ende der Sechziger.