Nichts als Schwierigkeiten mit dem Hauptstadt-Tatort: Als man endlich ein funktionierendes Ermittlerteam beisammenhatte, warf der eine gleich wieder das Handtuch. Jetzt hat der übrig gebliebene Kommissar Till Ritter (Dominic Raacke) in Felix Stark (Boris Aljinovic) einen neuen Partner gefunden beziehungsweise zugeteilt gekriegt, und der Krimifreund hofft inständig, dass die beiden ein paar Folgen lang durchhalten. Denn sie sind echt Klasse.

Der knurrige, vom Dienst seelisch zerschlissene Cop, dem ein unverbrauchter Ehrgeizling zur Seite gestellt wird - das Drama, das entsteht, wenn dieses odd couple nolens volens kooperiert und sich dabei zuerst einfach nur hasst, bis es durch die praktischen Zwänge des Aufeinander-angewiesen-Seins erkennt: Der andre ist ja doch ein ganzer Kerl, dieses Psycho-Innenfutter des Polizeifilms hat eine lange Tradition. Und die muss von Zeit zu Zeit aktualisiert werden.

In der Tatort-Folge Berliner Bärchen unter der Regie von Detlef Rönfeldt hat man jetzt aus der Not des fehlenden Partners die Tugend eines spannenden Zweikampfs gemacht: weniger zwischen Gut und Böse als zwischen Ritter und Stark. Der Plot lässt nichts aus. Ritter lernt seinen neuen Co-Kommissar beim Streit um einen Parkplatz kennen - ohne zu wissen, wen er vor sich hat. Das Duell endet damit, dass Stark seinen Partner in spe an dessen eigenen Dachgepäckträger kettet - ganz polizeilich mit Handschellen. Kein Wunder, dass die Zusammenarbeit erst nicht so klappen will. Aber die Perfidie der mörderischen Kunsträuber und des selbstgefälligen Polizeichefs macht die zwei zu verschworenen Kollegen - nicht zu reden von einem herben Verlust: Ein Lottoschein mit Ritters Sechser drauf landet, vom Mörder nichts ahnend zerknüllt, im Kanal. Selten hat ein Bulle so verzweifelt Zugriff! gebrüllt wie Ritter, der durch sein Fernglas das Schicksal seines Sechsers und nebenbei auch das der bedrohten Heldin verfolgt. Es gibt Tage, kommentiert er sein Unglück, da wünschte ich, ich hätte Alzheimer.

In bester Tatort-Manier erzählt Berliner Bärchen (Buch: Andreas Pflüger und Pim Richter) seine Geschichte um Kunstraub und illegale Einwanderer ganz aus der Perspektive des amtsmüden Bullen, des armen Ritter, den Raacke mit seelenvollem Understatement spielt. Er kennt seine Pappenheimer, er kennt sich selber und muss nun erleben, wie sein junger Partner - hocherfreulich auch Aljinovic - ohne die Autorität des Insiders, dafür mit quicker Kombinationsgabe die richtigen Schlüsse zieht. Und dann hat der Schnösel auch noch Familie - statt einen anständigen Hang zum Tresen. Das ist nicht leicht für Ritter - der sich in just jener Situation wiederfindet, die das gesamte alte Berlin, ein ans Gammeln und Jammern gewöhntes Soziotop, jetzt beutelt, wo die Stadt von jungen, begabten Ehrgeizlingen überquillt. Aber vielleicht geht das ja genauso gut aus wie bei Ritter und Stark: Man macht genug zusammen durch, um sich am Schluss zu mögen.

Tatort: Berliner Bärchen So 25. 3. ARD, 20.15 Uhr