In den USA verabschieden sich die großen Fernseh-Networks gerade von den positiven Helden, von großen Stars in den Serien und von Lachern vom Band - weil die Zuschauer das nicht mehr sehen und hören wollen. Protagonist der neuen Sitcom von ABC, The Job, ist ein Polizist, der seine Frau betrügt, Drogen nimmt und zu viel raucht und trinkt. Immer mehr Serien haben eher die Optik von Dokumentarfilmen als von Hochglanzprospekten. Das finden zwar selbst die Programmmacher gewagt - aber sie haben kaum eine Wahl. Denn die altbewährten Muster, etwa ein Star in der Hauptrolle, funktionieren nicht mehr: Serien mit Bette Midler, Michael Richards (Kramer in Seinfeld) und John Goodman wurden gerade abgesetzt. In Deutschland ist dieser Trend noch nicht angekommen. ProSieben wirbt bei Präsentationen für seine Programm-Highlights mit Pathos aus Kübeln und lässt Frauen erzählen, sie wünschten sich ein Fernsehen, das sie bewegt, mit Helden, zu denen sie aufschauen können.

Gelegentlich kann man aus kleinen Symbolen den großen Lauf der Dinge lesen.

Das Senderlogo von RTL 2 ist so eine Pfütze, in der sich die Fernsehwelt spiegelt. Früher war das ein eigenes Kürzel, mal schwungvoll, mal minimalistisch. Dann begann RTL die Mitglieder seiner Senderfamilie enger an sich zu binden. RTL 2 musste, wie die kleinere Schwester Super RTL, die Original-RTL-Buchstaben klein in seinem Schriftzug unterbringen, unter einer römischen Zwei. Doch dann wurde Big Brother zum großen Erfolg, RTL 2 fühlte sich plötzlich gar nicht mehr klein, verkündete, man spiele nun in der ersten Liga - und ließ das RTL unter der Zwei weg. Freiheit! Ein halbes Jahr und viele Flops später ist der Sender, nun ja, gelandet. Nun klebt wieder das ungeliebte RTL unter der Zwei. Nur einen Akt demonstrativer Aufmüpfigkeit leistet man sich noch: Zum Beginn einiger Programme reiht der Sender die Logos der Konkurrenz oben am Bildschirm auf und lässt ein Computermonster sie nacheinander auffressen. Ganz zum Schluss macht es einen Umweg, um noch das RTL des großen Bruders zu verspeisen. Dann wird es selbst zum RTL-2-Logo.

Wahnsinn.

Stefan Niggemeier (offline@zeit.de)