Wer kontrolliert den Kapitalmarkt? In der Debatte um die Zukunft der Finanzaufsicht haben sich viele zu Wort gemeldet: Hans Eichel, der Bundesfinanzminister, will noch in dieser Legislaturperiode die deutschen Aufsichten für Banken, Börse und Versicherungen in einer neuen Mega-Behörde bündeln. Die Bundesbank kämpft dafür, doch selbst die Aufsicht zu übernehmen.

Und Wim Duisenberg, der Chef der europäischen Zentralbank, argumentiert, dass die nationalen Notenbanken nur dann die Sicherheit des ganzen Finanzsystems gewährleisten könnten, wenn die Verbindungen zwischen Aufsicht und Zentralbanken "möglichst eng" ist.

Für Außenstehende ist diese Debatte nur schwer zu verstehen. Dabei zeigt der Blick ins Ausland, wie wichtig etwa eine schlagkräftige Bankenaufsicht ist - und was passieren kann, wenn die Kontrolleure des Kapitalmarkts den Markt sich selbst überlassen. In einem Buch * über den Ausverkauf der britischen Traditionsbanken stellt der ehemalige Investmentbanker Philip Augar eine interessante These auf: Die namhaften Geldhäuser der Londoner City wurden nur deshalb von der Konkurrenz übernommen, weil die Bankenaufsicht so schwach war.

Die Gentlemen der britischen Finanzszene leiteten einst so traditionsreiche Geldhäuser wie Warburg, Rothschild, Kleinwort Benson oder Schroders. Heute sind die berühmten Adressen nur noch Markennamen

das Geschäft haben US-amerikanische Geldhäuser übernommen oder - für die stolzen Briten noch schlimmer - Europäer vom Kontinent.

Dass es so weit kommen würde, war Eingeweihten spätestens am Wochenende des 25. und 26. Februar 1995 klar. Am Tag zuvor hatte der Devisenhändler Nick Leeson seine Kündigung aus Singapur nach London gefaxt und damit den Crash von Barings, der "Bank der Queen", mit einem Verlust von 869 Millionen Pfund eingeleitet. Leesons ungeheure Spekulationsverluste hatten die traditionsreiche Bank an den Rand des Abgrunds getrieben. Ihr Chef, Peter Baring, streifte den Cut über und eilte zur Mittagszeit zur Bank von England.

Für den Abend wurden die führenden Privatbankiers zusammengetrommelt - der harte Kern des Londoner gentlemanly capitalism.