Wochenlang hing Bobby mit falschen Freunden herum, teilte ihren Drogenkonsum, schnupfte, rauchte und spritzte. Doch während seine Freunde ein High nach dem anderen erlebten, blieb Bobby nüchtern. Er ist gegen eine ganze Reihe von Drogengiften immun. Denn er ist gegen die süchtig machenden Chemikalien geimpft worden. In Bobbys Blut schwimmen Antikörper, die Drogengifte eliminieren, bevor sie in seinem Gehirn wirken können. Ein Triumph der Arzneimittelforschung über die Drogensucht?

Doch Bobby ist kein rebellischer Teenager, sondern eine Laborratte, geimpft von Kim Janda und Rosio Carrera vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien. Hier wurde der erste Impfstoff gegen Kokain entwickelt. Er versetzt das Immunsystem der Tiere in die Lage, die Droge zu neutralisieren.

"Die Immuntherapie nutzt unser natürliches Verteidigungssystem, die Antikörper", erklärt Kim Janda. "Wir haben das Immunsystem mit einem Trick so geschärft, dass es das eigentlich zu kleine Kokainmolekül dennoch als Fremdkörper erkennt. Im Blut entstehen spezifische Antikörper gegen die Droge. Raucht nun jemand Crack oder schnupft Kokain, dann baut das Immunsystem die Droge ab."

Das Kokainmolekül wird von katalytischen Antikörpern zerschnitten wie von einer Schere. Kaum ist das Rauschgift im Blut, wird es in zwei inaktive Substanzen gespalten. Kein Kick, kein High. Mittlerweile sind die Tierversuche abgeschlossen, und der Impfstoff GND-KLH ist für den Versuch am Menschen vorbereitet. Ungefähr zwei Monate hält die Schutzimpfung bisher vor.

Kim Janda und sein Team wollen die schützende Wirkung auf ein Jahr ausbauen.

Schon laufen erste klinische Studien mit verschiedenen Impfstoffen gegen Kokain. Und Janda hat bereits andere Drogen im Visier. "Kokain ist eine Substanz, die in unserem Körper nicht natürlich vorkommt", erklärt die Neuropharmakologin Rosio Carrera. "Theoretisch können wir sicher auch Impfstoffe gegen Nikotin und andere Drogen herstellen."

Doch was ist Sucht? Ist es die nachvollziehbare Flucht aus schwierigen sozialen Umständen, ein erlerntes Verhalten oder die zwangsläufige Folge einer angeborenen, fehlgesteuerten Hirnchemie? Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Während aber die ererbte Prädisposition fest verankert in den Genen liegt, scheint das Verlangen nach einem Suchtstoff über Impfungen oder Neukonditionierung beeinflussbar zu sein.