Um die Wahrheit zu sagen, wir sind stolz auf die deutschen Unterglasgärtner. Heidemarie Wright (Elsenfeld) hatte bei denen kürzlich eine "tolle Veranstaltung", wie sie im Deutschen (!) Bundestag erzählte, die befinden sich nämlich in besonderer Drangsal, aber jammern nicht, sondern tun etwas. Und was? "Sie setzen unsere innovativen Regierungsvorlagen in der praktischen Anwendung um. Sie werden auf Holzhackschnitzel umsteigen."

Woraufhin Albert Deß (Röckersbühl) sich die Bemerkung nicht verkneifen konnte, die Unterglasgärtner mit den Holzhackschnitzeln würden "doch nirgends so benachteiligt wie in Deutschland".

Wer jetzt "etwas entspannt wegnicken" möchte, den müssen wir ebenso wie Heidemarie Wright enttäuschen, denn "dem Wald geht es nicht gut", wie sie in der Parlamentsdebatte über den Waldzustandsbericht 2000 bilanzierte. Das sagt übrigens auch die Opposition. Der Wald ist nämlich ein bisschen kränker geworden, seit die CDU nicht mehr regiert. Jetzt kann Peter Bleser (Blachtendorf) freier darüber sprechen, dass kranke Bäume "den Zustand unserer Umwelt und speziell unserer Atmosphäre" anzeigen. Und dass die Menschen die gleiche Luft wie die Bäume im Wald atmen, weshalb "der Schutz des Waldes auch ein Schutz des Menschen ist". Insofern sollten wir, selbst wenn er kränkelt, gemeinsam auf den deutschen Wald durchaus stolz sein.

Zum Glück ist der Anteil der Bäume, die erhebliche Schäden aufweisen, in den neunziger Jahren von 30 Prozent (1991) auf 21 Prozent (1998) zurückgegangen, jetzt steigt die Prozentzahl allerdings wieder leicht an. Macht Rot-Grün den Wald krank? Die Abgeordnete Wright wagte im Parlament zwar den Zwischenruf "Deutsche Einheit!", um deutlich zu machen, weshalb sich das Bild seit den neunziger Jahren verbessert hat. "Wer hat denn die deutsche Einheit verwirklicht?", gab allerdings Heinrich-Wilhelm Ronsöhr (Rennau) ganz grundsätzlich heraus. Hat nun die Einheit oder die alte, grüne Kohl-Regierung damals den Wald saniert? Beides, gestand Peter Bleser: "Auch wegen unserer umweltpolitischen Leistungen bin ich stolz, Deutscher zu sein."

Im parlamentarischen Wettlauf darum, wer der stolzeste Philister im ganzen Land ist, bleibt bis auf weiteres Guido Westerwelle (Bonn) ganz ohne Zweifel unschlagbar. Aber auch Michael Glos (Schweinfurt) schneidet nicht schlecht ab. Er lässt sich ohnehin "nicht verbieten, dankbar und stolz zu sein, als Deutscher in Deutschland leben zu dürfen". Aber fast noch stolzer ist er, an der Convention der Republikaner in Philadelphia teilgenommen und dort übrigens auch Guido Westerwelle gesehen zu haben. "Ich erinnere mich aber nicht, dort einen Genossen gesehen zu haben." Und wo war Jürgen Trittin?

Ziemlich keck, beinahe stolz, rief der Abgeordnete Wolfgang Gehrcke dazwischen: "Wir waren hochrangig nicht vertreten!" Klar, PDS. "Euch hätten s' gar nicht reingelassen!", erwiderte Glos, bevor er in seinem Zettelkasten blättern konnte. Einen "schießwütigen Zelluloid-Cowboy" hat Joschka Fischer demzufolge im Jahr 1983 den amerikanischen Präsidenten Reagan genannt. Und die Amerikaner, die "sicherlich gute Archive haben", erinnerte er an eine Bemerkung Gerhard Schröders: "Die Politik der Sowjetunion ist eindeutig defensiv. Wir müssen uns von den USA kein aggressives Sicherheitskonzept aufschwätzen lassen." Nur mal so ein Pröbchen vom informellen Souffleur Glos.

Ein bisschen müsste man sich also genieren für Schröder und Fischer und ihren Bundespräsidenten, die die Einheit nicht wollten, obwohl sich damit doch die Waldschadensstatistik verbessert hat. Aber zum Glück hat Wilhelm Schmidt (Salzgitter) seine Parteifreunde mit der Bemerkung herausgerissen, für die er sich ein Extralob von Patriot Westerwelle verdient hätte: "Auch wir sind stolz darauf, Deutsche zu sein, und fordern alle Deutschen auf, stolz zu sein."