Wer kennt Hans Grundig? Früher, es scheint lange her, war das keine Frage, nicht mal im Westen und schon gar nicht in der DDR, wo der Maler und kurzzeitige Nachkriegsrektor der Kunstakademie in Dresden eine moralisch-künstlerische Instanz war, Carl Hofer in Berlin vergleichbar. Er war ein aufrechter Linker, der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen, von den Nazis mit Berufsverbot belegt, ins KZ Sachsenhausen verbracht und nach 1947 bis zu seinem Tod 1958 als Dresdener Urgestein verehrt, nicht zuletzt zweier Gemälde wegen. Das eine ist den Opfern des Faschismus (1947) gewidmet

das andere, 1935-38 in der Nachfolge des Dixschen Kriegstryptychons entstanden und im Atelier verborgen, beschwört irrlichternd das Chaos der Zeit und den Untergang der Stadt. Seit 1958 im Besitz der Kunstsammlungen, waren beide Werke ein Teil Dresdener Identität und sind es noch, ähnlich wie die Zeichnungen des zerstörten Dresden von Wilhelm Rudolph und Wilhelm Lachnits Bild Tod von Dresden von 1945, das im Übrigen heute nicht ausgestellt ist. An Grundigs 100. Geburtstag erinnert nun ein Saal in der Gemäldegalerie Neue Meister im Albertinum in Dresden (bis 18. April, Katalog 18,- DM). Zwischen Karneval und Aschermittwoch - so der Titel der Schau - wurde der Maler im Februar 1901 geboren, in der Karnevalsnacht 1945 kam das Inferno über Dresden. Da Maske, Harlekin und Pierrot Metaphern künstlerischer Existenz sind, deren sich auch der Realist Grundig bediente, begleiten thematisch verwandte Werke der Zeit zwischen 1916 und 1986 das prophetische Tryptychon vom Tausendjährigen Reich sowie eine Gruppe intensiver, um 1940 entstandener Gemälde Grundigs: Bilder von Menschen und Menschenmengen, deren Gefährdung aufflackert im fahlen Licht ihrer Farben. Man hätte davon gern mehr gesehen, überhaupt mehr erfahren über das einstige Vorbild der DDR-Kunst, auch im Hinblick auf anhaltende Debatten. Hans Grundig zu würdigen ist richtig, ja selbstverständlich. Dieses Unternehmen auf Zimmergröße zu halten ist unangemessen und halbherzig.