Erst BSE, jetzt MKS. Großbritanniens Tourismus, ohnehin schon durch den hohen Pfundkurs gebeutelt, hat ein Problem. Um die Seuche nicht weiter zu verbreiten, sind die ländlichen Regionen des Vereinigten Königreichs nur eingeschränkt zugänglich. Zahlreiche der kleinen kurvenreichen Landstraßen dürfen nicht befahren werden, eine Reihe von Parks wie Hampton Court, Richmond oder 200 Quadratmeilen in Dartmoor wurden geschlossen. Der National Trust hat fast all seine Häuser, Parks und Gärten dichtgemacht, English Heritage lässt niemand auf seine ländlichen Liegenschaften in gefährdeten Gebieten, darunter Stonehenge und Hadrian's Wall. Die nationale Radfahrerorganisation rät dringend, von Landpartien Abstand zu nehmen. Auch für Wanderer und Angler ist das Königreich jetzt nicht das ideale Revier. Das alles macht Großbritannien für Reisende nicht eben attraktiver.

Schlössern wie Cottages fehlen die Besucher: Die Engländer bleiben am Wochenende lieber in den Städten, als hinaus ins Grüne zu fahren. Auf 100 Millionen Pfund die Woche, mehr als 300 Millionen Mark, beziffert die englische Tourismusindustrie den Verlust durch die Seuche.

Auch deutsche Urlauber warten ab. Extrem, sagt John Frances, Besitzer der Ferienhausvermittlung England for Runaways, spüre er die Maul- und Klauenseuche. Die Kataloge bleiben liegen, eine Buchung ist die Ausnahme. Nur gut, dass es eine eingeschworene Fangemeinde gibt, die süchtig nach Englandurlaub ist. Vielen kleineren Spezialveranstaltern geht es ähnlich.

Das hat uns gerade noch gefehlt, klagt Uta Ashley, die ebenfalls Ferienhäuser vermittelt, obwohl es nicht ganz so dramatisch wie befürchtet ist. Die Kunden sind jetzt besser informiert, stellt sie fest, sie haben keine Angst mehr, sich anzustecken, sondern wollen wissen, wo noch was möglich ist. Dass es schlecht um die Reservierungen stehe, hat sie auch von Konkurrenten gehört.

Wolters Reisen in Bremen spüren ebenfalls die Auswirkungen der Seuche. Die Natururlauber stornieren, die Wanderer fahren lieber woanders hin.

Produktleiter Klaus Bühring registriert einen deutlichen Buchungsrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Bei DFDS Seaways, die Hamburg mit Harwich verbinden, zeigen die Buchungseingänge ein Minus zwischen 20 und 25 Prozent.

Noch hat die Saison gar nicht begonnen. Es wird was kommen, befürchtet Doris Kimmel, Geschäftsführerin bei Wikinger Reisen. Wie es zu Ostern aussieht, wird wichtig sein, sagt David Hamilton, Leiter der British Tourist Authority (BTA) in Frankfurt. Immerhin war für dieses Jahr ein Buchungszuwachs von drei Prozent geplant. Wer seine Ferien im Cottage auf dem Land oder auf einer Farm verbringen will, muss jetzt seinen Urlaub verschieben. Aber, so schätzt Hamilton, nur etwa 20 Prozent der deutschen Englandurlauber zieht es aufs Land. Und dies in den Sommermonaten. Wer weiß, wie die Lage sich entwickelt. Die Situation ändert sich von Tag zu Tag.