die zeit: Ratings verwirren oft. Gesellschaften, die bei einem Test gut abschneiden, fallen bei dem anderen durch. Wie soll der Kunde reagieren?

Reiner Will: Zuerst muss man fragen, was getestet wurde und wer getestet hat.

Dann sollten er mit Versicherungsvergleichen genauso umgehen wie mit Vergleichstests in anderen Märkten auch. Wichtig ist die Entscheidung, welche Qualität er sich leisten will. Aus dieser Vorauswahl kann er dann die passenden Produkte herausfiltern. Wenn die Leute einen Urlaub planen, überlegen sie ja auch, ob es ein Drei- oder Vier-Sterne-Hotel sein soll. Die Details der ausgesuchten Häuser entscheiden dann darüber, welches Angebot gebucht wird.

zeit: Sie sprechen eine Rating-Kultur an, die es in den angelsächsischen Ländern längst auch im Finanzdienstleistungsbereich gibt. Sind die Ratings auf unserem Markt zu dilettantisch?

Will: Nein. Allerdings sind die Verbraucher bei uns noch nicht so weit, dass sie Versicherungsunternehmen einfach eine gewisse Qualität abverlangen.

zeit: Werden deutsche Verbraucher in der Zukunft mündiger sein?

Will: Ich denke, ja. Durch die Rentenreform entsteht eine ganz neue Situation. Staatlich geförderte Versicherungen und Fondssparpläne sollen ein entsprechendes Zertifikat vom Bundesaufsichtsamt erhalten. Damit ist zwar noch lange nicht gesagt, dass es sich um gute Produkte handelt. Dennoch werden die Begriffe Qualität und Zertifizierung bei Versicherungen deutlichen Auftrieb bekommen.