die zeit: Das Märzheft von Spiegel reporter war journalistisch besonders überzeugend, Sie haben mit ihrem Design Preise gewonnen - woran lag es, dass der Markt nicht mitgezogen ist?

Cordt Schnibben: Viele Unternehmen haben ihre Werbebudgets in diesem Jahr zusammengestrichen, darunter leiden neue Hefte wie Spiegel reporter besonders. Außerdem haben viele Anzeigenkunden offenbar gedacht, Spiegel und Spiegel reporter haben eine ähnliche Leserschaft, die erreichen wir, indem wir im Spiegel inserieren - ein Irrtum: Die Leserschaft überschneidet sich nur zu 30 Prozent.

zeit: Wer waren denn die Leser von reporter?

Schnibben: Wir haben zweimal Leserbefragungen durchgeführt. Das waren hochgebildete Leute, die sehr viel lesen, die sehr medienerfahren und sehr anspruchsvoll sind. Eigentlich eine sehr interessante Leserschaft.

zeit: Also doch, wie die ZEIT zum Start des Heftes schrieb, ein Heft "von Reportern für Reporter" - darauf deutet ja die von Ihnen beschriebene Leserschaft hin?

Schnibben: Dafür war unsere Auflage dann doch zu hoch. Hunderttausend Reporter gibt es nicht in Deutschland.

zeit: Es gibt immer wieder Versuche, das Wort Reporter im Titel zu nutzen, sei es bei ProSieben oder im ZDF, die alle nicht sehr gut funktionieren. Ist die Gattung der Reportage in einer Krise?