Neulich träumte ich, dass mir jemand etwas gestohlen hat. Ich wusste nicht, wer es war und was es war. Aber als ich am Morgen aufstand, hatte ich das Gefühl, mir sei tatsächlich etwas entwendet worden. Ich suchte in meinem Arbeitszimmer, ob irgendetwas fehlte. Ich wusste, dass es ein Traum war. Und doch war ich überzeugt, jemand habe mir etwas gestohlen. Es ging nicht um Geld oder Dokumente. Psychologen würden sagen, mein Unterbewusstes hat Angst, dass mir jemand meine Musik stiehlt, meine Originalität.

Vielleicht hat es aber auch mit der bevorstehenden Oscar-Nacht zu tun. Kann sein, dass ich insgeheim davon überzeugt bin, der Preis gehöre dieses Mal mir, weil ich ihn nach all den gescheiterten Versuchen einfach verdient habe.

In der Regel erinnere mich gar nicht an das, was ich nachts träume. Ich weiß aber, dass meine Träume Stummfilme sind. Ich habe nie von Musik geträumt oder gar meine Filmmelodien im Hintergrund spielen hören, weder Harfenzupfen noch Glockenläuten.

Ich habe einen gesunden Schlaf. Vor allem einen wohlverdienten. Ich stehe jeweils um fünf Uhr auf, lese Zeitungen, trinke einen Espresso. Zwischen acht und halb neun beginne ich zu arbeiten und bleibe meistens acht bis zehn Stunden in meinem Arbeitszimmer in Rom, gleich unterhalb des Kapitols. Hier schreibe ich Stücke für Kammermusik und Orchester, vor allem aber für Filme.

Ich bin inzwischen 72 Jahre alt. Ich habe mit Regisseuren wie Sergio Leone, Bernardo Bertolucci, Pier Paolo Pasolini und Roman Polanski zusammengearbeitet. Ich habe zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden erhalten. Mit dem Soundtrack zu Giuseppe Tornatores Film Malena bin ich zum fünften Mal für den Oscar nominiert. Bisher habe ich ihn nicht bekommen, aber vielleicht schaffe ich es dieses Mal. In der Oscar-Nacht von Hollywood werde ich es wissen. Sollte es auch dieses Jahr nicht klappen - ich werde es überleben.

Zwei Träume sind mir in meinem Leben geblieben: Englisch und Computer. Beides versuche ich in den Griff zu bekommen. Bisher ohne Erfolg. Der Computer bleibt mir fremd. Wie soll ich auf der Tastatur Noten schreiben, wenn ich nicht einmal weiß, wie man so ein Ding anmacht. Wie auch das Englische werden Computer immer komplizierter. Ich habe schon verschiedene Anläufe genommen, die Sprache Shakespeares zu lernen, aber ich kann mir die Wörter nicht merken. I love you, my dreams, you are my lucky star - was mir geblieben ist, sind Bruchstücke von Musiktiteln und Filmdialoge. Genug, um zwei Sekunden mit einer Frau zu flirten. Dann folgt the end oder cut. Es wurde mir gelegentlich vorgeworfen, ich könne kein Englisch, weil mich Amerika nicht interessiert.

Das ist Blödsinn. Ich liebe das Land, aber ich kann mir nicht vorstellen, dort zu leben. Ich ziehe Rom vor.