Nach dem überraschenden Erfolg der CDU in Baden-Württemberg dürfte in der Union der Führungsstreit um Parteichefin Angela Merkel und dem Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz nicht erneut aufbrechen. Bei den Wahlen waren die CDU/FDP-Koalition von Ministerpräsident Erwin Teufel in Baden-Württemberg und die SPD/FDP-Regierung von Ministerpräsident Kurt Beck in Rheinland-Pfalz klar bestätigt worden. Während die SPD in beiden Ländern Gewinne verbuchen konnte, musste die CDU in Rheinland-Pfalz Verluste einstecken. Auch Grüne und FDP verloren Stimmen.

In Baden-Württemberg verfehlte die seit 48 Jahren regierende CDU eine absolute Mehrheit. In Rheinland-Pfalz musste die CDU erneut Verluste hinnehmen und kam im Stammland des früheren Vorsitzenden Helmut Kohl auf ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt. Die Wahlbeteiligung brach in beiden Ländern weiter ein.

Die SPD in Baden-Württemberg überwandt mit ihrer erst 36 Jahre alten Spitzenkandidatin Ute Vogt ihr historisches Tief von 25,1 Prozent aus dem Jahr 1996. Erstmals seit 13 Jahren übersprangen die Sozialdemokraten wieder klar die 30-Prozent-Marke. Auch in Rheinland- Pfalz verbuchte die SPD deutliche Gewinne und kam auf ihr zweitbestes Ergebnis in dem Land überhaupt.

Die FDP liegt nun in beiden Ländern als dritte Kraft vor den Grünen. In Baden-Württemberg rutschten die Grünen von einem 12,1- Prozent-Rekordergebnis aus dem Jahr 1996 ab. Die seit 1992 im Stuttgarter Landtag vertretenen rechtsextremen Republikaner scheiterten deutlich an der Fünf-Prozent-Marke. Gewählte Republikaner sind damit in keinem Landtag mehr vertreten.

In Baden-Württemberg kam die CDU nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 44,8 Prozent. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatten die Christdemokraten noch 41,3 Prozent bekommen. Die SPD erzielte 33,3 Prozent. 1996 waren die Sozialdemokraten auf 25,1 Prozent abgestürzt. Für die Grünen stimmten 7,7 Prozent der Wähler (1996: 12,1 Prozent). Die mitregierende FDP kam auf 8,1 Prozent (1996: 9,6). Die rechtsextremen Republikaner erreichten nach 9,1 Prozent vor fünf Jahren 4,4 Prozent und fielen aus dem Landtag. Die CDU kam auf 63 (1996: 69) der insgesamt 128 Sitze. Die SPD erreichte 45 (39) Mandate, Grüne (1996: 19) und FDP (1996: 14) kamen jeweils auf 10 Sitze.

In Rheinland-Pfalz stimmten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 44,7 Prozent der Wähler für die SPD nach 39,8 Prozent vor fünf Jahren. Die CDU kam auf 35,3 Prozent (1996: 38,7). Die FDP schaffte 7,8 Prozent (1996: 8,9). Die Grünen erzielten 5,2 Prozent nach 6,9 Prozent vor fünf Jahren. Auf die SPD entfielen 49 Sitze (1996: 43). Die CDU kam auf 38 (41) Mandate, die FDP auf 8 (10), die Grünen auf 6 (7).

Die Wahlbeteiligung ging in beiden Ländern deutlich zurück. In Baden-Württemberg lag sie mit 62,6 Prozent (1996: 67,6) so schlecht wie seit 40 Jahren nicht. In Rheinland-Pfalz erreichte sie nach 70,8 Prozent vor 5 Jahren nun mit 62,1 Prozent ein historisches Tief bei Landtagswahlen in dem Land. Mit rund 10 Millionen Wahlberechtigten (7,4 Millionen in Baden-Württemberg und gut 3 Millionen in Rheinland- Pfalz) konnte sich etwa ein Sechstel der Wähler in Deutschland an den Abstimmungen beteiligen.