Berlin (dpa) - Der Gegenwind aus Berlin hat nach der Bewertung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap die rheinland-pfälzische CDU stark gebeutelt. Ihr Spitzenkandidat Christoph Böhr blieb zudem im Schatten von Regierungschef Kurt Beck (SPD).

Die Analyse für Rheinland-Pfalz im Wortlaut: Für die SPD in Rheinland-Pfalz hat bei dieser Landtagswahl alles gestimmt: Stabile Großwetterlage aus Berlin und zufriedene Bürger im Land. Die Wähler überzeugten die Leistungen der Landesregierung und die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Sie dankten dies der führenden Regierungspartei mehr - mit einem Plus von 4,9 Punkten gegenüber der vorangegangenen Wahl - als dem Juniorpartner FDP, der ein Minus von 1,1 Punkten hinnehmen muss.

Der größte Anteil an diesem Erfolg kommt Kurt Beck, dem äußerst populären Ministerpräsidenten des Landes zu. Laut Wahltagsbefragung von Infratest dimap stand für 46 Prozent der SPD-Wähler bei der Wahlentscheidung der sozialdemokratische Spitzenkandidat im Vordergrund. Bei 26 Prozent spielten Sachfragen die größere Rolle, weitere 26 Prozent verwiesen auf ihre langfristige Bindung an die Partei.

Und auch bei den Wechselwählern von der FDP zur SPD gab die Person des Ministerpräsidenten letztlich den Ausschlag für ihren Parteiwechsel. Die FDP hatte ein Handicap: obwohl Partei und Politiker gute Zensuren erhielten, sie sich ein Profil in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik erarbeitet hatte, fehlte ihr trotz der Doppelspitze Brüderle-Bauckhage ein gleichwertiger Gegenpol zum populären Ministerpräsidenten.

Großer Verlierer der Wahl im Süd-Westen ist die rheinland- pfälzische CDU, die mit 35,3 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis in diesem Land eingefahren hat. Der CDU ist es weder gelungen, Angriffspunkte gegen die Landesregierung zu finden - dazu war die Kompetenzzuschreibung der Wähler an die SPD in allen wichtigen Politikbereichen zu hoch -, noch zündete ihre bundespolitische Akzentsetzung im Wahlkampf mit Ökosteuer, Rentenreform und am Schluss mit der Unterschriftenaktion für den Rücktritt von Jürgen Trittin; dazu blies ihr der Wind aus Berlin zu stark ins Gesicht. Mit Christoph Böhr hatte sie zudem einen Kandidaten, der im Schatten von Kurt Beck blieb und selbst in der eigenen Anhängerschaft nicht überzeugen konnte.

Die Grünen sind bei dieser Wahl mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Verlust von 1,7 Punkten hätte ihnen in einem Land, in dem sie strukturell nie fest verankert waren, fast den Einzug in den Landtag gekostet. Sie liegen mit dieser Verlustrate im Trend der anderen Landtagswahlen. Seit Sachsen-Anhalt und der Diskussion um den Benzinpreis von 5 Mark verlieren sie Wähler an die SPD. Und seit der Übernahme der Regierungsverantwortung im Bund bleiben Wähler, die eher ihrem links-ökologischen Spektrum zuzuschreiben sind, vermehrt der Wahlkabine fern. Die anstehenden Castor-Transporte haben hierfür ein neues Motiv geschaffen.

Als einzige Landtagspartei hat die SPD prozentual gewonnen und - bei einer um fast 9 Punkte gesunkenen Wahlbeteiligung - ihre absolute Stimmenzahl von 1996 fast wieder erreichen können. Zulauf hat sie von allen Seiten erhalten, am meisten von der CDU und von den Grünen mit jeweils per saldo knapp 30 000 Wählern.