Die Wahlergebnisse ergeben für CDU und SPD keinen klaren Bundestrend. Sie bestätigen jedoch eine "Strukturkrise" der Grünen, die vor allem bei der Wählerschaft unter 30 Jahren weiter an Boden verlieren. Setzt sich diese Tendenz fort, könnte auch die Fortsetzung der rot-grünen Koalition in Berlin nach der Bundestagswahl 2002 gefährdet sein, so die Einschätzung der Meinungsforscher.

AMTSBONUS: In Baden-Württemberg lag die SPD-Herausfordererin Ute Vogt zwar bei der Sympathiefrage vor Regierungschef Erwin Teufel (40 zu 19 Prozent). Allerdings bescheinigten 44 Prozent Teufel mehr Sachverstand, was umgekehrt nur 6 Prozent von Ute Vogt sagten. Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten lag Teufel mit 46 Prozent vor Vogt (34 Prozent).

In Rheinland-Pfalz bestach Regierungschef Kurt Beck mit einem Popularitätswert von 2,9 auf einer Skala von plus 5 bis minus 5. Und 57 Prozent aller Wähler wünschten sich Beck als Ministerpräsidenten, seinen CDU-Konkurrenten Christoph Böhr nur 15 Prozent. Selbst in der eigenen Anhängerschaft habe Böhr nicht überzeugen können (Infratest dimap).

SACHKOMPETENZ: In Baden-Württemberg ist es der Union offenkundig gelungen, sich erfolgreich vom bundespolitischen Stimmungstief der CDU abzukoppeln. Wesentlich geholfen hat der CDU dabei ihre positive Leistungsbilanz der zurückliegenden fünf Jahre. Nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen bezeichneten 60 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Lage als gut. 41 Prozent der Befragten attestierten die größere Wirtschaftskompetenz der CDU, nur 21 Prozent sahen diese eher bei der SPD.

Beim Thema Nummer 1 in Rheinland-Pfalz, der Schaffung neuer Arbeitsplätze, setzten 42 Prozent der Befragten auf die SPD und nur 19 Prozent auf die CDU. Als zweitwichtigstes Thema sahen die Wähler die Schul- und Bildungspolitik. Auch hier lag die SPD (34 Prozent) vor der CDU (29 Prozent), wie die Befragung durch die Forschungsgruppe Wahlen ergab. Den Grünen half auch nicht, dass sie als kompetenteste Partei in Sachen Umweltschutz, Lebensmittel und Landwirtschaft angesehen wurden.

BUNDESTREND: Beide Landtagswahlen waren keine Testwahl für den Bund, resümiert die Forschungsgruppe Wahlen. Baden-Württemberg habe aber gezeigt, dass die CDU trotz ihres schlechten bundespolitischen Erscheinungsbildes ihre Wählerstruktur mobilisieren kann.

In Rheinland-Pfalz habe die CDU unter dem Gegenwind aus Berlin gelitten. Mit den bundespolitischen Themen Ökosteuer, Rentenreform und am Schluss der Unterschriftenaktion für den Rücktritt von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte die Union keinen Erfolg. Die neuen Castor-Transporte hätten potenziellen Grünen- Wählern aus dem links-ökologischen Spektrum ein neues Motiv gegeben, der Wahlkabine fernzubleiben.