Im krassen Gegensatz dazu steht ein Aufruf des Deutschen Hochschulverbandes, der Standesorganisation der deutschen Professoren. Dieser verlangt von der Bundesregierung, den Reformentwurf zurückzuziehen. Er ist von Professoren aus ganz Deutschland unterzeichnet und wird am Mittwoch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Anzeige abgedruckt.

In ihrem Brief bezeichnen die deutschen Forscher im Ausland, unter ihnen zwei Nobelpreisträger, solchen Widerstand gegen die Hochschulreform als Interessenpolitik einer Gruppe, die "um ihre Macht und Privilegien fürchtet". Dabei sei die akademische Struktur des deutschen Hochschulsystems schon längst nicht mehr zeitgemäß, weil unangemessen hierarchisch und unflexibel. Die Habilitation diene der Zementierung existierender Machtstrukturen.

"Viele der Unterzeichner sind wegen eben dieser Strukturen ins Ausland geflüchtet", sagt Stefan Schlatt, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, der zur Zeit an der Universität von Pennsylvania forscht. Für talentierte Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt sei der Wissenschaftsstandort Deutschland heute "allenfalls zweite Wahl".