An der Privaten Uni Witten/Herdecke beispielsweise werden die künftigen Doktoren nicht mehr in Unikliniken, sondern in Hausarztpraxen ausgebildet. Das Multiple Choice Prüfungs-Verfahren wurde zugunsten von international etablierten Prüfungsmethoden wie MEQ und OSCE gestrichen: mit MEQ wird der Wissensstand geprüft, mit OSCE die Fähigkeiten bei der Untersuchung und im Umgang mit dem Patienten.
Auch POL erfreut sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Die Uni Münster unterzieht ihre Zöglinge sogenannten "POL-Blockkursen". Das sogenannte "Problemorientierte Lernen" ist in den USA und Kanada, aber auch in einigen Ländern Europas schon länger anerkannt. Einen Überblick über Reformstudiengänge in In- und Ausland verschafft das Buch "Medizinische Reformstudiengänge" von Eberhard Göbel und Kai Schnabel. Es werden Beispiele aus Deutschland, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Schottland, Schweiz, Schweden und den USA aufgeführt.

Das deutsche Gesundheitswesen kränkelt nicht nur an der veralteten Ausbildung, es arbeitet auch nicht rentabel. Das soll sich durch Projekte wie "Benchmarking (Leistungsvergleich) in der Gesundheitswirtschaft" ändern. In 40 deutschen Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken wurden Benchmarketingmethoden eingeführt, um durch gezieltes Krankenhausmanagement die Kosten zu senken und die Patientenversorgung zu verbessern.
Doch Krankenhausmanagement funktioniert nicht ohne die dort arbeitenden Ärzte. Mit den Managerqualitäten der Halbgötter in Weiß ist es jedoch nicht weit her. "Spätestens ab der Position Oberarzt ist jeder Mediziner auch Führungskraft", weiß Roland Weigel, Organisationsberater für Gesundheits- und Sozialdienstleister. Nur noch 50 Prozent der Leistungen seien medizinischer Art. Den Rest seiner Zeit verbringe er mit Organisation, Mitarbeiterführung und anderen Manager-Aufgaben. Mit solchen Anforderungen muss sich zumindest der Nachwuchs auseinander setzen, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.
Aufbaustudiengänge, die medizinisches und wirtschaftliches Wissen unter einen Hut bringen, sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Die FH Magdeburg und Uni Bielefeld bieten gemeinsam das Fernstudium Angewandte Gesundheitswissenschaften an. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Organisationsentwicklung, Projektmanagement und Qualitätssicherung. Die Absolventen sollen Verbesserungen im Gesundheitswesen planen und gestalten lernen. Hinter den Gesundheitsmanagern stecken Ärzte genauso wie Wirtschaftswissenschaftler. Eine kürzere Variante bietet die Uni Marburg. Seit Februar gibt es dort einen zweisemestrigen Lehrgang, der mit dem Zertifikat "Health Care Management" abschließt.
Im kommenden Sommersemester kann an der Uni Köln erstmals der Masterstudiengang Gesundheitsökonomie belegt werden, dew sich an Human- und Zahnmediziner richtet. Mit einem gleichnamigen Angebot reagierte im letzten Winter auch die FH Ludwigshafen am Rhein ¯ Hochschule für Wirtschaft auf die "dynamischen Veränderungen im Gesundheitswesen". Der duale Studiengang verbindet Medizin mit BWL, VWL und Rechtswissenschaften. Die Absolventen sind zugleich Diplom-Gesundheitsökonomen und Sozialversicherungsfachangestelle.

In Ludwigshafen wurde der Studiengang übrigens aufgrund einer bundesweiten Bedarfsanalyse eingerichtet, die vom Gesundheits-, Kultus- und dem Arbeits- und Sozialministerium gemeinsam durchgeführt worden war. Danach werden in Deutschland insgesamt 30 solcher Studiengänge benötigt, um den derzeitigen Bedarf an den scharf kalkulierenden Gesundheitsexperten zu decken.

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Literatur:
Eberhard Göbel, Kai Schnabel (Hrsg.): "Medizinische
Reformstudiengänge",
Mabuse Verlag, Frankfurt/M, 1999

Projekt "Benchmarking in der Gesundheitswirtschaft"
Wissenschaftspark Gelnhausen
http://www.seniorenwirtschaft.de