Fahrtroute der Meteor
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Dienstag, 20. März 2001
28 Grad 34 Minuten Süd / 41 Grad 5 Minuten West

Als der Wachhabende Offizier Frank Göldner über Sprechfunk Arbeitsdeck und Seismiklabor ruft, steht das Kreuz des Südens noch hoch am Himmel: "Kursänderung in 10 Minuten. Dann geht`s los!" Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag. Kurz vor halb drei. Nur wenige Stunden zuvor hatten die Blitze ferner subtropischer Gewitter hinter mächtigen Haufenwolken gezuckt. Es hatte angefangen, leicht zu regnen. Doch als Dr. Sebastian Krastel das Schott des Seismiklabors hinter sich schließt und die wenigen Schritte zum Achterdeck der METEOR hinüber geht, haben sich die Wolken aufgelöst. Es ist drückend schwül: 84 Prozent Luftfeuchtigkeit, knapp 26 Grad Celsius bei nur leichtem Wind. Über dem östlichen Horizont hängt die schmale, tiefgelbe Sichel des abnehmenden Mondes.

Unser Forschungsschiff hat die Box E erreicht, das nördliche der beiden Arbeitsareale dieser Reise. Ein etwa 155.000 Quadratkilometer großes Seegebiet südöstlich von Rio de Janeiro. Wie in der Box D (siehe Tagebucheintrag vom 12. März) stehen auch hier geophysikalische und geologische Arbeiten auf dem Programm. Und wie dort, so macht auch diesmal die Geophysik den Anfang. Mit noch etwas schläfrigen Augen erscheinen die Studentinnen Thessa Rudolf und Nicole Albrecht sowie deren brasilianische Kommilitonin Sandra Quental auf dem Achterdeck. Sie haben sich zu dieser frühen Stunde aus ihren Kojen gequält, um gemeinsam mit dem Geophysiker das seismische Instrumentarium zu Wasser zu lassen.